Sport : Trennung in Sicht

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Macon. Vieles deutet darauf hin: Das Team Telekom und Jan Ullrich stehen vor der Trennung. So überraschte die Führung des Team Telekom am Swimmingpool des Hotels Mercure in Saint-Albain mit der brisanten Nachricht, dass das Vertragsverhältnis mit Jan Ullrich bis auf weiteres ruht. Hinzu kommt, dass Ullrichs Manager Strohband in dieser Woche mit Bjarne Riis bereits über einen Wechsel verhandelt hat. Der Däne ist Sportlicher Leiter beim TSC-Tiscali- Team. Ullrich hatte ihm 1996 zum Tour-Sieg verholfen.

Ullrich bekommt nach der sechsmonatigen Sperre wegen eines positiven Dopingtests kein Geld mehr. Teamsprecher Olaf Ludwig machte die Mitteilung, Teammanager Walter Godefroot und Rudy Pevenage saßen mit finsteren Mienen daneben. „Der Vertrag ruht“, sagte Ludwig, „das heißt aber nicht, dass er aufgelöst ist.“ Und wie lange dauert die Ruhephase? „Ich habe fünf Monate Zeit, darüber nachzudenken“, sagte Godefroot mürrisch. Nach Rücksprache mit Jürgen Kindervater, dem Kommunikationsdirektor des Bonner Konzerns, sei man zu dieser Entscheidung gekommen. Der Vertrag, der jetzt ruht, hat noch eine Gültigkeit bis zum Ende des Jahres 2003.

Was Ludwig nicht sagte: Um die Vertragsruhe hatte die andere Seite gebeten, also Jan Ullrich. Der war vertreten durch seinen Manager Wolfgang Strohband, der es etwas merkwürdig fand, dass dieser Sachverhalt mit keinem Wort erwähnt worden war. „Wir haben darum gebeten, den Vertrag ruhen zu lassen. Wir haben auch von uns aus auf weitere monatliche Gehaltszahlungen verzichtet“, erzählte Strohband. Das Ersuchen sei die Reaktion auf Veränderungen im laufenden Vertrag gewesen, die Godefroot und Telekom wegen der Sperre ihm gegenüber angekündigt hätten. Strohband sagte: „Es gibt so viele Unklarheiten, auch die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gehören dazu. Die müssen erst alle ausgeräumt werden.“ Strohband ließ jedoch keine Zweifel daran, dass bei einem wieder wirksamen Vertrag bis 2003 die alten Konditionen unverändert zu gelten haben und die ruhenden Gehälter dann nachgezahlt werden müssten. Zurzeit entgehen Ullrich monatlich geschätzte 135 000 Euro. Godefroot könnte wegen der Dopingklausel den Vertrag auch fristlos kündigen.

Die Manöver lassen sich durchaus als die Vorstufe zu einer gütlichen Trennung interpretieren. Hartmut Scherzer

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