Sport : Treueschwüre für den Trainer

Hannover rechnet mit schwerem Saisonstart

Claus Vetter

Was ist neu?

Was die Mannschaft betrifft, ist für Hannoveraner Verhältnisse erstaunlich wenig passiert, ansonsten allerdings eine ganze Menge. In den ersten beiden Jahren seit dem Aufstieg hatten die Niedersachsen bei ihrer Personalpolitik eher hektisch gewirkt und jeweils mehr als den halben Kader ausgetauscht. Diesmal hielt sich der Klub bei den Verpflichtungen zurück – ein Verdienst des neuen Managers Ilja Kaenzig. Vergangene Saison galt der 31-jährige Schweizer noch als der Intimus und Gehilfe von Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund, seit Anfang Juli hat Kaenzig einen Vertrag in Hannover. Der ehrgeizige Kaenzig arbeitete allerdings schon seit Juni mit Trainer Ewald Lienen am neuen Team: Sieben neue Spieler hat das Duo verpflichtet, darunter sind mit den Stürmern Leandro (zuvor Young Boys Bern, 2000 war der Brasilianer auch ein Jahr beim SSV Ulm in der Bundesliga aktiv), Tranquillo Barnetta (FC St. Gallen) und Mittelfeldspieler Roman Wallner (Rapid Wien) drei eher unprominente Gesichter. Hinzu kommt Robert Enke. Der ehemalige Mönchengladbacher Torwart ist über den FC Barcelona, wo er nicht glücklich wurde, und CD Teneriffa, wo es besser lief, nach Deutschland zurückgekehrt. Laut Kaenzig ist Enke ein „Glücksfall“ für den Klub. Kaenzig selbst ist ein Glücksfall für Hannover, findet Trainer Ewald Lienen. Der Manager habe „gute Arbeit“ geleistet.

Gute und gründliche Arbeit, denn einen unangenehmen Nebenbuhler ist Kaenzig schnell noch vor Saisonstart losgeworden: Sportdirektor Ricardo Moar. Nach zwei Jahren verließ der 50-jährige Spanier diese Woche den Verein. „Im Sinne einer Neuordnung unseres Vereins und langfristiger Strukturen ist die Trennung sinnvoll“, sagte Klubchef Martin Kind – immer noch der einzig wirklich starke Mann bei 96. Moar wollte sich weder auf den Posten als Spielerbeobachter noch in die Klub-Verwaltung abschieben lassen. Der Trainer ist über den Abschied Moars nicht glücklich. Er habe gern mit ihm zusammengearbeitet, sagt Lienen. „Normalerweise müssen in einem Verein die Aufgaben des Technischen Direktors und Managers von zwei Personen abgedeckt werden.“

Wer wird der Star?

Der Star werden soll Ricardo Sousa. Der 25-jährige Portugiese gilt als torgefährlicher, offensiver Mittelfeldspieler, Er hat in der vergangenen Saison 14 Tore für seinen Klub Boavista Porto erzielt. Ob er die Lücke des zum Lokalrivalen VfL Wolfsburg abgewanderten Thomas Brdaric ersetzten kann? In der Abwehr hoffen die Niedersachsen mit Michael Tarnat den richtigen Griff getan zu haben – allerdings ist der ehemalige Nationalspieler nicht mehr unbedingt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Oktober wird er 35 Jahre alt, zuletzt kickte Tarnat beim Premier-League-Klub Manchester City eher durchschnittlich.

Was ist möglich?

In Hannover gibt es seit Jahrzehnten bei den meist kurzen Ausflügen in die Bundesliga immer nur den Blick nach unten: Immerhin zwei Jahre ist 96 nun schon von den Niederungen der Zweiten Liga oder des Amateur-Fußballs verschont geblieben.

In der Defensive sind die Niedersachsen sicher gut besetzt, vor dem Tor des Gegners allerdings muss vor Saisonbeginn mit zu vielen Unbekannten gerechnet werden. Das kann gut gehen, wird es aber vermutlich nicht. Dann wird auch diesmal in Hannover nur der Kampf gegen den Abstieg zählen und damit die Hoffnung verbunden sein, dass die allgemein als nicht so stark eingeschätzten Aufsteiger aus Mainz, Bielefeld und Nürnberg in der umgebauten AWD- Arena in Hannover keinen großen Ärger bereiten.

Treueschwüre Richtung Trainer gibt es erstaunlicher Weise übrigens schon, bevor eine Minute gespielt worden ist. „Unser Startprogramm ist gerade auswärts happig“, sagt Manager Kaenzig. „Da spielen wir in Leverkusen, Dortmund und Bremen. Die Partien können wir alle verlieren, da müssen wir dann Ruhe bewahren. Den Trainer werden wir nicht zusätzlich unter Druck setzen.“ Das wäre – gemessen an dem Theater um Lienens Vorgänger Ralf Rangnick – in Hannover eine Sensation.

Morgen: SC Freiburg

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