Sport : Treueschwüre für Rapolder Der 1. FC Köln hält

an seinem Trainer fest

Hartmut Scherzer[Frankfurt am Main]

Wolfgang Overath war sichtlich entsetzt. Der Präsident des 1. FC Köln verließ zehn Minuten vor dem Abpfiff seinen Logenplatz in der Frankfurter Commerzbank Arena. Bernd Hölzenbein dagegen fühlte sich an so manchen Torrausch seiner aktiven Zeit erinnert, etwa an das 6:0 gegen die Bayern vor genau 30 Jahren: „Da lacht einem das Herz im Leibe“, sagte der Vorstandsberater der Frankfurter Eintracht. Overath (62) und Hölzenbein (59), die Weltmeister von 1974, erlebten aus Sicht der Elder Statesmen des Fußballs das 6:3 der Frankfurter Eintracht als hessischen Feier- und rheinischen Trauertag.

Nach der siebten Niederlage in den letzten acht Spielen, der fünften in Folge, und der chaotischen Leistung seiner Mannschaft in Frankfurt weiß FC-Trainer Uwe Rapolder, „dass es nun rund geht in Köln“, dass sein Arbeitsplatz in der Boulevardpresse, an den Stammtischen und in der Fangemeinde zur Disposition steht. Aber offenbar nicht im Verein. Treueschwüre und Schuldbekenntnisse von Overath bis Podolski unmittelbar nach der hohen Niederlage stärkten die Position Rapolders bis auf Weiteres.

Overath beteuerte im ZDF: „Wir werden den Trainer nicht entlassen.“ Manager Andreas Rettig bekräftigte: „Keine Diskussion um den Trainer. Wir bewahren Ruhe.“ Lukas Podolski, der eine Woche zuvor zu Rapolder noch atmosphärische Störungen hatte und sich am Sonnabend gegen den überragenden Mazedonier Alexander Vasoski – übrigens eine Hölzenbein-Entdeckung – nie durchsetzen konnte, sagte auf seine direkte Art: „Es geht nicht um den Trainer, nicht um Systemfußball oder irgendeinen Dreckscheiß. Wir Spieler müssen auf dem Platz die Leistung bringen. Aber wenn wir weiter so spielen, gehen wir direkt in die Zweite Liga.“ Nationalspieler Lukas Sinkiewicz, als Innenverteidiger im Zentrum des „Desasters der ersten Halbzeit“ (Rapolder), stammelte: „Wir Spieler sind die Schuldigen, nicht der Trainer.“ Der fordert nun martialisch: „Stahlhelm aufsetzen!“

Nur bei Albert Streits promptem 1:1 nach der frühen Frankfurter Führung kam kurz Freude bei den Kölnern auf. Dem Handelfmeter Podolskis zum 2:4 folgte in der zweiten Halbzeit aber kein Aufbäumen mehr. Und Özalan Alpay fiel nur in einer Szene positiv auf: als er in der letzten Spielminute das 3:6 köpfte. Vorher stellte sich allerdings 89 Minuten lang die Frage, warum der zuvor in Ungnade gefallene Alpay sich wieder als Abwehrchef versuchen durfte. „Alpay hatte mir versprochen, er würde für den FC durchs Feuer gehen“ sagte Uwe Rapolder. „Dass er allerdings durch die Hölle gehen muss, war nicht zu erwarten.“

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