Triathlet Heinz Sowinski : „Wenn ich mal Letzter werde, höre ich auf“

Heinz Sowinski bestand mit 70 Jahren den Ironman auf Hawaii und fühlt sich fit für weitere Wettkämpfe.

Er hat vergangene Woche am Ironman auf Hawaii teilgenommen, jetzt macht er dort Urlaub. Heinz Sowinski, ein 70 Jahre alter Berliner, hat in der Klasse der 70- bis 74-Jährigen den sechsten Platz belegt. Von 22 Teilnehmern kamen elf ins Ziel.

Herr Sowinski, wie kommen Sie darauf, beim Ironman auf Hawaii teilzunehmen?

Das war eher Zufall. Angefangen hat alles vor 30 Jahren. Meine Tochter war Leistungsschwimmerin, ich habe sie immer morgens und abends zum Training gebracht. Mir war es irgendwann zu langweilig, immer zu warten. Da bin ich auf dem Sportplatz nebenan ein bisschen laufen gegangen. Zuerst fiel es mir schwer, aber nach und nach ging es besser. Dann bin mit meiner Frau immer mehr laufen gegangen. Jetzt laufen wir beide Marathon.

Ihre Frau läuft auch?

Natürlich. Regina hält den Rekord für die meisten gelaufenen Marathons in Berlin. 25 Mal war sie jetzt dabei. Sie hat inzwischen ihre feste Startnummer. Die Nummer 215 ist jedes Jahr für sie reserviert.

Und wie kamen Sie zum Triathlon?

Meine Familie hat irgendwann gesagt: Mach doch mal einen Triathlon! Das habe ich dann gemacht, über die Mitteldistanz, 1984. Das lief richtig gut. Dann bin ich immer besser geworden und stand ständig auf dem Treppchen.

Und dann haben Sie gedacht: Versuche ich mal den Ironman…

Nein, da muss man richtig viel trainieren, in dem Alter geht das nicht mehr von selbst. Ich schwimme ungefähr acht Kilometer in der Woche, laufe 60 Kilometer und fahre 250 Kilometer mit dem Fahrrad. Im Winter gehe ich oft ins Fitnessstudio. Mit 52 Jahren habe ich den ersten Ironman gemacht. Als ich ins Ziel kam, habe ich nur geweint. Hawaii war jetzt mein sechster Ironman.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und hinterher noch einen Marathon laufen. Was treibt Sie dazu an?

Mein Leben ist einfach toll. Ich reise in der Welt herum und bin immer mit jungen Leuten zusammen – es gibt ja nicht viele Teilnehmer in meinem Alter. Man muss natürlich Freude am Sport haben.

Ist es nicht gefährlich?

Das gefährlichste am Ironman ist der Start, da ist ein Hauen und Stechen. Alle Athleten haben Angst, auch die Profis. Da kann man leicht ertrinken, weil 1000 bis 1500 Teilnehmer versuchen, gleichzeitig ins Wasser zu kommen. Ich halte mich da inzwischen zurück und bleibe weiter hinten.

Wir meinen: Ist die Belastung nicht gefährlich in Ihrem Alter?

Ich habe viel Erfahrung und teile mir den Wettkampf gut ein. Man hat ja dieses Jahr gesehen, dass selbst Profis Probleme bekommen haben. Es ist eine Wahnsinnsbelastung. Der Körper braucht ungefähr zwei Monate, um sich von einem Ironman zu erholen. Bei mir dauert die Regeneration natürlich noch etwas länger. Meine Frau ist Ernährungsexpertin, die achtet auf mich. Aber ich merke schon, dass meine Muskeln langsam etwas nachlassen. Trotzdem: Ich bin noch fit!

Sie haben auf Hawaii eine Zeit von 15 Stunden 11 Minuten und 14 Sekunden erreicht. Zufrieden?

Naja, insgesamt ist das nicht so gut. Das Laufen habe ich in 5 Stunden, 21Minuten und 45 Sekunden geschafft. Das ist eine Laufzeit, über die sich jeder Marathonanfänger freuen würde.

Sind Sie im kommenden Jahr wieder auf Hawaii dabei?

Nein, auf keinen Fall. Wenn ich kann, werde ich in fünf Jahren noch mal antreten. Es braucht ungefähr ein Jahr Vorbereitung für den Ironman. Da müsste ich ja gleich wieder mit dem Training beginnen. Jetzt will ich erst mal faulenzen und auch mal ein Glas Wein trinken dürfen. Meine Frau und ich machen hier noch ein paar Wochen Urlaub auf Hawaii.

Aber mit dem Sport hören Sie nicht auf?

Nein. Ich werde weiter Marathon laufen und auch Triathlon betreiben. In Hof war ich 18 Jahre in Folge dabei, das lasse ich nicht abreißen. Nur Letzter möchte ich nicht werden. Ich sage immer: Wenn ich mal Letzter werde, höre ich auf. Aber beim Ironman waren noch 152 hinter mir.

Das Gespräch führte Anke Myrrhe.

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