Sport : Trickste Hertha bei den Finanzen?

Wirtschaftsprüfer: Fall für den Staatsanwalt

Sebastian Bickerich

Berlin - Vor der Hauptversammlung am 22. Mai steigt der Druck auf den Aufsichtsrat des Bundesligisten Hertha BSC, Rechenschaft zu jüngst bekannt gewordenen Bilanzmaßnahmen abzulegen. In einer Analyse für das Magazin „Focus Money“ kommt der Wirtschaftsprüfer Karlheinz Küting von der Universität des Saarlandes zu dem Schluss, der Klub habe zu „kreativer Buchführung“ gegriffen, um seine Lizenz 2005 zu bekommen. Hintergrund seien die „Anteile an verbundenen Unternehmen“ von 28 Millionen Euro. Weil dem Verein Ende 2004 der Lizenzentzug drohte, gliederte Hertha die Vip- Sitze und -Logen in die Hertha BSC Rechte GmbH & Co. KG aus und verbuchte die erwarteten Einnahmen als Sacheinlage. Die Rechte wurden aber bereits 2003 für 15 Millionen Euro an die AGV GmbH verkauft. Demnach verbuchte Hertha künftige Einnahmen aus Rechten, die ihr frühestens ab dem Jahr 2009 wieder zufließen, bereits 2004/05 als Umsatzerlös. „Für mich ist das schier unglaublich. Mit Bilanzrecht hat das nichts mehr zu tun. Dass die Deutsche Fußball-Liga, die Hertha-Wirtschaftsprüfer und der Aufsichtsrat so etwas durchwinken, ist mir unerklärlich“, sagte Küting dem Tagesspiegel. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der Staatsanwalt in Berlin hier tätig wird, ja tätig werden muss.“

Hertha wies die Vorwürfe zurück. Finanzvorstand Ingo Schiller sprach von einem „absolut zulässigen und rechtlich unbedenklichen Instrument“. Trotzdem dürften die Vorwürfe internen Kritikern nützen, die vor der Mitgliederversammlung einen Misstrauensantrag gegen den Aufsichtsrat eingereicht haben. In dem Antrag heißt es, der Aufsichtsrat habe die Mitglieder nicht in ausreichendem Maß über „wichtige und maßgebliche Geschehnisse“ informiert. So habe Hertha neben einem realen Schuldenstand von 42 Millionen Euro Zukunftsbelastungen in Höhe von fast 50 Millionen Euro angehäuft. Diese Verschuldung auf zukünftige Ereignisse könnte künftige Etats um jährlich bis zu zehn Millionen Euro belasten, heißt es weiter – „sie sorgt dafür, dass wir trotz eines Top-5-Etats kaum Transfers wahrnehmen können“. Zudem ist in dem Antrag von „insolvenznahen Tatbeständen“ die Rede. „Der Aufsichtsrat wird uns all das erklären müssen“, sagte einer der Initiatoren des Antrags, der ungenannt bleiben möchte. Herthas Präsident Bernd Schiphorst bestätigte zwar den Eingang des Antrages. „Wir werden das aber noch rechtlich prüfen müssen“, sagte er. Aus Hertha-Kreisen war zu erfahren, dass nur einer der zwölf Antragsteller den Antrag unterschrieben habe. Geprüft werde nun, ob der Unterzeichner auch Vereinsmitglied sei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben