Sport : Trinkfeste Burschen

Vor 69 Jahren besiegte Österreichs Eishockeyteam zuletzt den heutigen Gegner Deutschland

Sven Goldmann/Claus Vetter

Christoph Brandner und Ästhetik, das fügt sich nicht so leicht zusammen. Mit 1,92 m und einem leichten Hang zum gebückten Gang lassen sich schwerlich elegante Kringel aufs Eis zaubern. Da beim Eishockey die B-Note für den künstlerischen Wert zu vernachlässigen ist und Brandner vor dem Tor so gefährlich ist wie kaum ein anderer Stürmer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), ist der 27-Jährige so begehrt wie kein zweiter Österreicher.

Gerade erst hat Brandner die Krefeld Pinguine zur Meisterschaft geschossen, und Thomas Steen, der Europascout des NHL-Teams Minnesota Wild, hat bei der Weltmeisterschaft in Helsinki ein sehr intensives Gespräch mit Brandners Agent geführt. „Das ist einer von zwei Spielern bei dieser WM, an denen wir sehr großes Interesse haben“, sagt Steen. Gut möglich, dass Brandner in der kommenden Saison in der besten Liga der Welt spielen wird, obwohl er doch gerade einen Dreijahresvertrag bei den Kölner Haien unterschrieben hat.

Brandner wäre der erste Österreicher in der NHL, und er ist die große Hoffnung seiner Landsleute auf eine bessere Zukunft. Bisher hat die „Wintersportnation Nummer eins“ (Eigenwerbung im Rahmen der Olympiabewerbung Salzburgs für 2010) bemerkenswert wenig zur Geschichte der olympischen Kernsportart Eishockey beigetragen. Deswegen wäre es übertrieben, vor dem WM-Zwischenrundenspiel heute gegen Deutschland (15 Uhr, live bei Sat1) von einem gespannten Verhältnis der beiden Nachbarn zu sprechen. Die besten Österreicher wie Brandner oder Gerhard Unterluggauer (Düsseldorf) spielen in der DEL, einer (Dieter Kalt) steht in Schweden unter Vertrag, die meisten anderen verdingen daheim in der allenfalls zweitklassigen Liga bei Klubs wie den Black Wings Linz oder dem EC Supergau (!) Feldkirch.

Allerdings ist der Unterschied zwischen den Nationalmannschaften Deutschlands und Österreichs im Eishockey auch nicht so gewaltig, dass der Außenseiter den Favoriten nicht mal ärgern könnte. Bundestrainer Hans Zach charakterisiert die Österreicher als „mutige und trinkfeste Burschen“ und hat sie vor der WM sogar stärker als die Deutschen eingestuft. Das muss beim notorischen Tiefstapler nicht viel heißen, und so hat denn Team Austria bisher wenig getan zur Untermauerung seiner verwegenen These. In der Vorrunde gab es gegen Finnland (1:5) und Tschechien (1:8) deftige Niederlagen, dazu einen 6:3-Sieg gegen den Abstiegskandidaten Slowenien.

Der deutsche Kapitän Jan Benda rechnet dennoch mit „einem unangenehmen Spiel“ und verweist darauf, „dass wir uns doch immer schwer getan haben mit den Österreichern“. Das stimmt allerdings nicht so ganz – schon mal deswegen, weil es in den vergangenen Jahren kaum Spiele gegen Österreich gab. Seit der Rückkehr der Deutschen in die A-Gruppe vor zwei Jahren spielten beide Mannschaften kein einziges Mal bei einer WM gegeneinander. Nur bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City konnten die Österreicher die deutsche Mannschaft ein wenig ärgern. Erst kurz vor Schluss sicherte Andreas Loth mit seinem Tor zum 3:2 den deutschen Sieg. Das letzte österreichische Erfolgserlebnis liegt übrigens 69 Jahre (!) zurück. Bei der Europameisterschaft in Mailand siegten die Österreicher 1:0, aber die Deutschen wären wohl nicht böse, wenn sich die Geschichte wiederholen würde, denn sie gewannen damals völlig überraschend den Titel.

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