Sport : Tritt für Tritt

Das Radrennteam Gerolsteiner macht T-Mobile Konkurrenz

Mathias Klappenbach

In den vergangenen zwei Wochen hat Hans-Michael Holczer nicht gern in den Spiegel geschaut. „Das mit der Glatze sah schlimm aus. Das mache ich auf keinen Fall noch einmal“, sagt der Teamchef vom Team Gerolsteiner. Holczer hatte bei der Tour de France 2003 für den Fall eines Weltcupsieges seines Teams angekündigt, sich die Haare abrasieren zu lassen. Nun musste er Wort halten.

Der Radrennstall feiert einen Sieg nach dem anderen. Mannschaftskapitän Davide Rebellin hat binnen einer Woche die drei Weltcuprennen in den Ardennen gewonnen. Das hatte zuvor noch keiner geschafft. Der vom Team Telekom zu Gerolsteiner gewechselte Danilo Hondo fährt wie befreit auf, seitdem er nicht mehr für Erik Zabel den Sprint anziehen muss. Er gewann bei der Niedersachsen-Rundfahrt vier Etappen. Holczers Haare kamen nach Rebellins erstem Sieg ab, der auch der erste Weltcuperfolg für Gerolsteiner war.

Das 1998 gegründete Team war im vergangenen Jahr erstmals bei der Tour de France dabei. Schlagzeilen machte es vor allem durch eine Sturzserie und die vorzeitige Aufgabe von Rebellin, der seine lang anhaltenden Stoffwechselprobleme nun überwunden hat. „Wir haben nie im Leben damit gerechnet, dass wir so schnell so erfolgreich werden“, sagt Holczer. „Unsere Mannschaft ist Jahr für Jahr gewachsen. Und mit ihr natürlich auch das Budget, das heute um ein Vielfaches höher ist als am Anfang.“ Zahlen werden nicht genannt, aber der Etat ist deutlich geringer als beim T-Mobile-Team (ehemals Team Telekom), dem anderen deutschen Weltklasse-Rennstall, der pro Jahr geschätzte zehn Millionen Euro investiert. „Im organisatorischen und logistischen Bereich stehen wir inzwischen auf einer Stufe. Aber T-Mobile kann viel mehr Geld in Spitzenfahrer investieren“, sagt Holczer.

Der Telekommunikationskonzern hat zudem größere Marketingmöglichkeiten. Und er hat den Star Jan Ullrich, auch wenn der gerade schwächelt. „Jan zieht natürlich alle Aufmerksamkeit auf sich, da können wir nicht mithalten“, sagt Udo Bölts, der lange Zeit Mannschaftskollege von Ullrich war und jetzt Sportlicher Leiter bei Gerolsteiner ist. „Ich habe mich hier sofort sehr wohl gefühlt. Bei Telekom war die Distanz zwischen der Leitung und den Fahrern größer. Hier geht es familiärer zu.“

Holczer glaubt, dass Gerolsteiner in der Relation der eingesetzten Mittel zum Erfolg in einem Vergleich mit T-Mobile gut abschneiden würde. „Aber T-Mobile ist das beste Team der Welt. Sie können alles gewinnen, egal ob Zeitfahren, Sprints oder Rundfahrten.“ So weit ist Gerolsteiner noch nicht. „Wir sind eine Mannschaft für die Klassiker. Unser großes Ziel ist, dass Rebellin den Weltcup gewinnt. Totschnig kann bei der Tour unter die ersten zehn kommen, Hondo vielleicht um das Grüne Trikot mitfahren“, sagt Holczer.

Morgen fährt Gerolsteiner in Frankfurt „Rund um den Henninger Turm“ (live in der ARD ab 13.40 Uhr) um den Sieg. Für Vorjahressieger Rebellin ist die Zielpassage wohl zu flach. Aber Danilo Hondo hat gute Chancen, als Erster ins Ziel zu rauschen. Vor Erik Zabel.

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