Sport : Tritt nach draußen

Herthas Marcelinho droht eine lange Sperre

Klaus Rocca

Als seine Mannschaftskameraden den ersten Saisonheimsieg bejubelten, war dem Mann mit der Rückennummer 10 nicht danach zumute. Marcelinho wirkte eher wie ein Häufchen Unglück. Kurz vor dem Abpfiff des Spiels am Samstag im Olympiastadion hatte Marcelinho die Rote Karte gesehen. „Das trifft uns hart“, sagte Huub Stevens, sein Trainer bei Hertha BSC.

Marcelinho trifft es ganz besonders hart. Wieder ist der Brasilianer zum Zuschauen verdammt. Wochenlang war er es nach seinem Fußbruch im Saison-Auftaktspiel gegen Werder Bremen. Sieben Spiele musste er pausieren. Damals war es Pech. Diesmal ist es eigenes Verschulden. Dabei ist Marcelinho schon 28, hat für sein Heimatland fünf Länderspiele bestritten, hat in São Paulo und Porto Allegre gespielt, auch in Marseille. Und die Gepflogenheiten in der Bundesliga sind ihm seit über zwei Jahren bekannt.

Am Samstag vergaß er sich für einen Moment. Ob nun durch die Hektik nach dem Foul des Gladbachers Joonas Kolkka am Herthaner Bart Goor besonders aufgestachelt, durch den Ghanaer Lawrence Aidoo vielleicht auch provoziert – am Ende war für Jörg Keßler aus dem thüringischen Höhenkirchen entscheidend, dass Marcelinho ebenso wie Aidoo schubste. Der Fifa-Schiedsrichter schickte beide, Marcelinho und Aidoo, vom Platz.

Die Fernsehbilder zeigten zudem noch einen Tritt Marcelinhos gegen Aidoo, der dem Brasilianer als Tätlichkeit ausgelegt werden dürfte. In Paragraf 8 der DFB-Statuten heißt es: „Tätlichkeiten können mit einer Sperre von sechs Wochen bis zu sechs Monaten bestraft werden.“ Gemildert werden könnte die Strafe, „wenn gegen den Spieler oder sonst Betroffenen unmittelbar vor seinem Vergehen eine sportwidrige Handlung begangen worden ist oder ein leichterer Fall der Tätlichkeit vorliegt“. Dann könnte die Sperre auf mindestens zwei Wochen reduziert werden.

Marcelinho war in der letzten Saison erfolgreichster Torschütze Herthas. Zwar hat er in dieser Saison noch kein Tor geschossen, doch vermittelt er dem so biederen Gekicke Herthas ein wenig spielerischen Glanz. Nun müssen sie wieder auf ihn verzichten.

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