Sport : Tritte für den Balljungen

Eklat im englischen Ligapokal: Ein Chelsea-Profi attackiert einen 17-Jährigen.

Nerven verloren. Eden Hazard ließ sich kurz vor Schluss provozieren. Foto: Pixathlon
Nerven verloren. Eden Hazard ließ sich kurz vor Schluss provozieren. Foto: PixathlonFoto: pixathlon / action images

Berlin - Eden Hazard ging es nicht schnell genug. Ein Balljunge, der den Ball nicht rausgeben wollte – das ging gar nicht. Also trat Hazard zu – und sah wenig später Rot. Das Halbfinalrückspiel des englischen Ligapokals zwischen Swansea und Chelsea erlebte einen Eklat von ganz neuer Qualität.

Der Balljunge hatte keine Eile, den über die Torauslinie rollenden Ball zurück auf das Spielfeld zu spielen. Nicht nur, dass sich der Junge aus Swansea durch Hazards energischen Sprint in seine Richtung nicht im Mindesten aus der Ruhe bringen ließ. In der Folge kam es zudem zu einer kurzen Rangelei, und plötzlich lag der Balljunge auf dem Boden, unter ihm der Ball. Hazard versuchte hastig, den Ball mit beiden Händen unter dem auf Spielverzögerung spekulierenden Jugendlichen hervorzuholen, schließlich beförderte er die Kugel mit einem Tritt unter dem Körper des Jungen hervor, schnappte sich den Ball, um ihn zum Abstoß zurechtzulegen. Der Balljunge blieb mit schmerzverzerrter Miene liegen und hielt sich mit einer Hand die scheinbar verletzten Rippen. Schließlich ließ er sich von zahlreichen hinzugeeilten Spielern aufhelfen. Der 17-Jährige hatte Stunden vor Anpfiff bei Twitter als selbst ernannter „King of Ball Boys“ angekündigt, Zeit schinden zu wollen. Nachdem er mit grimmiger Miene das Feld verlassen hatte, verwies der Schiedsrichter auch Hazard des Feldes – Chelsea musste die letzten zehn Minuten in Unterzahl spielen. Der Balljunge schien sein Ziel erreicht zu haben: Das Spiel pausierte über drei Minuten. Hazard entschuldigte sich später laut eigener Aussage bei dem Jungen. Der belgische Nationalspieler sagte „Chelsea TV“, der Junge sei in die Umkleidekabine gekommen und sie hätten „ein kurzes Gespräch“ geführt. „Es tut mir Leid“, entschuldigte sich Hazard.

Bei dem Jungen handelt es sich um den Sohn eines millionenschweren Anteilseigners Swanseas. Vater und Sohn wurden von der Polizei verhört und verzichteten auf eine Anzeige gegen Hazard.

Das Spiel endete torlos. Der deutsche Torwart Gerhard Tremmel, der mit Swansea durch den 2:0-Hinspielerfolg den Einzug ins Ligapokalfinale feiern konnte, hatte das Geschehen aus unmittelbarer Nähe verfolgt. Der 34-Jährige kritisierte Hazard für sein Verhalten: „So darf man als Profi nicht reagieren.“ Das Verhalten des Balljungen schien Tremmel nicht zu verwundern, es sei ganz normal, „dass auch die Balljungen ein bisschen mitspielen“. Dass sie aber auch zu Spiel beeinflussenden Schlüsselfiguren werden können, ist eine neue Erkenntnis. ej/dpa

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