Sport : Trittfest auf dem Glatteis

Reinhard Mirmseker moderiert die „ Musikantenschänke“im MDR und räumt im Eiskunstlauf-Verband auf

Frank Bachner

Berlin. Natürlich schüttelt Frieder Dieck dem Kollegen Reinhard Mirmseker noch höflich die Hand. Sie arbeiten ja immer noch eng zusammen. Mirmseker ist Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), Dieck sein Stellvertreter. Aber Dieck ist nicht mehr Generalbevollmächtigter der Fördergesellschaft Eiskunstlauf in Deutschland (FED), die wesentlich die Eiskunstlauf-WM in Dortmund mitorganisiert. Dafür hat Mirmseker gesorgt. Dieck soll vor der WM einem Bekannten widerrechtlich erlaubt haben, WM-Tickets zu verkaufen, der dafür Provision kassierte. Mirmseker erfuhr davon und ließ prompt das DEU-Präsidium den Rausschmiss von Dieck als FED-Funktionär beschließen. „Wenn irgendwo bei dieser Weltmeisterschaft Geld übrig bleibt, soll es dem Leistungssport zugute kommen und sonst niemandem“, sagt Mirmseker.

Mit dem Mann ist nicht zu spaßen. Mirmseker moderiert zwar im MDR-Fernsehen die „Wernesgrüner Musikantenschänke“ und ist hauptamtlich Unterhaltungschef beim MDR-Radio, aber gemütlich, nein, gemütlich ist der 53-Jährige nicht. Stattdessen verkündet er die Begriffe „Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Integrität“ wie markige Parolen. Vor fast zwei Jahren ist er DEU-Chef geworden, sein Ziel hat er klar formuliert: „Ich habe vor, richtig aufzuräumen.“

Das klingt grundsätzlich nur entschlossen und bedeutet sonst erst mal nichts. Aber Mirmseker zieht durch, was er ankündigt. Generalsekretär Dietmar Krug hat er wegen seiner Ansicht nach mangelnder Eignung aus dem Amt bugsiert. Landesfunktionäre hat er mühsam dazu gebracht, deutsche Meisterschaften spannender zu veranstalten, und Preisrichtern hat er eingeschärft, sie sollten nicht mehr parteiisch zugunsten der Sportler ihrer jeweiligen Landesverbände urteilen. Athleten werden jetzt gezielter als früher zu Lehrgängen ins Ausland geschickt, oder die Startrainer kommen nach Deutschland. Der Deutsche Meister Stefan Lindemann profitierte von den Tricks des Ukrainers Walentin Nikolajew, die Deutsche Meisterin Annette Dytrt lernte in den USA bei Startrainerin Tatjana Tarassowa, was Professionalität bedeutet. Und die DEU verschaffte dem Paarlauf-Trainer Ingo Steuer als erstem Eiskunstlauf-Coach überhaupt eine Stelle bei der Bundeswehr. Bei der WM 2004 zahlt sich das alles noch nicht aus. „Bis wir wieder an der Weltspitze mitmischen können, brauchen wir acht Jahre“ sagt Mirmseker. „Wir haben noch unendlich viel zu tun.“ Die Trainer zum Beispiel könne er nur bedingt kontrollieren, sie werden nicht direkt von der DEU finanziert. „Die Trainer sind unser Hauptproblem.“ Er kann notfalls nicht genügend Druck ausüben, wenn die nicht so arbeiten, wie er sich das wünscht.

Ein anderes Problem könnte er bald lösen. Mirmseker überlegt sich, ob er den Fall Dieck der Staatsanwaltschaft übergeben und eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen soll. Die soll hauptsächlich über einen Punkt abstimmen: die Abwahl von Dieck als DEU-Vizepräsident.

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