Sport : Triumph der Frühaufsteherin

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg gewinnt in Turin EM-Silber

Jörg Wenig[Turin]

Silke Spiegelburg ist flügge geworden. Im Oktober ist sie aus der Stabhochsprung-Wohngemeinschaft mit ihrem Bruder Richard in Leverkusen ausgezogen. Und auch sportlich trat sie am Sonnabend mit ihre Silbermedaille bei der Hallen-EM in Turin aus dem Schatten ihres Bruders. Die 22-Jährige führte den deutschen Frauen-Stabhochsprung dabei zu einem Novum: Nie zuvor hatten bei einem internationalen Titelkampf zwei Deutsche auf dem Podest gestanden. Derartige Erfolge kannte man bislang nur von den Männern.

Doch die Leverkusenerin Silke Spiegelburg und die 24-jährige Anna Battke vom USC Mainz haben den Anschluss an die internationale Spitze geschafft und dies in Turin eindrucksvoll gezeigt. Silke Spiegelburg steigerte ihren eigenen erst knapp zwei Wochen zuvor aufgestellten deutschen Rekord um vier Zentimeter auf 4,75 Meter und war höhengleich mit der Siegerin Julia Golubtschikowa. Die Russin hatte im gesamten Wettkampf lediglich einen Fehlversuch weniger und lag daher knapp vor der Deutschen. Nicht am Start war die russische Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa. Eine persönliche Bestleistung gelang auch Anna Battke, die als Dritte 4,65 Meter übersprang.

„Ich bin glücklich und platt“, sagte die frühere Junioren-Weltrekordlerin Spiegelburg, nachdem sie ihre erste Medaille bei einer internationalen Meisterschaft der Senioren gewonnen hatte. Das war kein Zufall, denn schon in den vergangenen Jahren war die Gesundheitsökonomie-Studentin die leistungsstärkste deutsche Springerin bei den Saisonhöhepunkten. „Dass ich in diesem Winter zweimal den deutschen Rekord verbessern würde, hatte ich vor der Saison nicht erwartet. In der Vorbereitung für die Sommersaison will ich nun meine Technik weiter verbessern“, sagte Spiegelburg. Toppen könnte sie ihre Leistung vom Wochenende noch mit einer Medaille bei der WM im Sommer in Berlin.

Der Erfolg von Silke Spiegelburg ist auch ein Triumph ihres Leverkusener Trainers Leszek Klima. Vor gut vier Jahren, nach den Olympischen Spielen 2004, hatten ihn eine Reihe von deutschen Topathleten verlassen. „Das war damals ein Schock, und es waren schwere Zeiten“, sagt Klima. Die Athleten fühlten sich nicht mehr gut genug betreut. Nach einem Jahr kehrte Danny Ecker zurück, dann kamen unter anderen Tobias Scherbarth und Silke Spiegelburg hinzu.

Richtung Sommer und in der weiteren Zukunft sieht Klima weiteres Steigerungspotenzial bei Spiegelburg. „Vor allem bei der Schnelligkeit kann sie sich noch verbessern“, sagt Klima. „Silke hat ihr Umfeld und ihr Studium so arrangiert, dass genügend Zeit ist für das Training.“ In der Regel absolviert sie die erste Trainingseinheit morgens um 9 Uhr, sagt Leszek Klima. „Da schlafen die anderen noch.“

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