Sport : Triumph über die Vergangenheit

Ailton schießt Schalke zum 2:1 über seinen ehemaligen Klub Werder Bremen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Am Ende eines hitzigen Kampfes gab es Szenen der Versöhnung. Schalkes Torschütze Ailton herzte Ivan Klasnic, seinen Kompagnon aus gemeinsamen Glanztagen bei Werder Bremen. Inzwischen haben sich die Wege der beiden Männer getrennt: Nicht nur, was den Arbeitsplatz anbelangt, sondern auch, was die Chancen betrifft, wieder Deutscher Meister zu werden. Nach dem 2:1 über den SV Werder bleibt Schalke 04 Tabellenzweiter der Fußball-Bundesliga, punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München. Werder hat im Rennen um den Titel hingegen wohl mehr verloren als nur ein Fußballspiel. Der Rückstand auf Bayern und Schalke beträgt nun schon neun Punkte. Trotzig stellte Bremens Trainer Thomas Schaaf dennoch fest: „Wir haben ein starkes Spiel hingelegt, nur vergessen, die Tore zu schießen.“ Obwohl es schwer werde, halte er es „für machbar“, den Rückstand aufzuholen.

Vorab hatte Schaaf ein wichtiges Zwischenziel formuliert: Er wolle nur noch über die Partie in Schalke reden und den hausgemachten Skandal vergessen, der Werder zuletzt aufgewühlt hatte. Der Streit zwischen Johan Micoud und Fabian Ernst, den beiden Prügelknaben, die heftig aneinander geraten waren, sollte als Wintertheater abgetan werden. Es dauerte aber mehr als eine halbe Stunde, bis die Partie Schwung bekam. Vor allem die Bremer trugen dazu bei, die Langeweile zu bekämpfen, die sich unter den 61 000 Zuschauern in der Arena „Auf Schalke“ breitgemacht hatte. Die beste Chance besaß Klasnic. So heftig Christian Poulsen am Trikot des Bremers gezerrt hatte: Klasnic schüttelte ihn ab, schoss und traf – den Pfosten. Wenig später vergaben Borowski und erneut Klasnic weitere Möglichkeiten für Bremen. „Von diesen Chancen hätten wir mehr profitieren müssen“, sagte Schaaf.

Kaum waren die Seiten gewechselt, verwandelten beide Mannschaften und mit ihnen Schiedsrichter Knut Kircher die Arena in einen Tummelplatz der Emotionen. Erst schoss Gerald Asamoah, der wegen einer Verletzung aus der ersten Halbzeit mit einem Kopfverband spielte, Schalke in Führung (49.). Im Gegenzug nutzte Ismael einen Foulelfmeter zum Ausgleich. Poulsen hatte Nationalstürmer Miroslav Klose umgestoßen. Zehn Minuten später forderten die Schalker einen Strafstoß, nachdem Ismael den heranstürmenden Kobiaschwili gebremst hatte – unsanft, aber nicht unfair, wie Kircher zu Unrecht befand. Auf dem Rasen war die anfängliche Ruhe längst einem Reizklima gewichen, das sich wie selbstverständlich auf die Ränge übertrug. Turbulenzen und Tumulte bestimmten das Bild einer nun hektischen, bissig geführten Begegnung. Ailton behielt nach einem Pass von Asamoah jedoch einen kühlen Kopf und überwand Reinke zum 2:1 (67.). Bei diesem Treffer entschied Kircher im Zweifel für den Schützen, der im passiven Abseits gewesen war, als Kobiaschwili den Ball aus dem Mittelfeld zu Asamoah in die Sturmspitze kickte. Die Bremer fühlten sich benachteiligt. „Es war Abseits, keine Diskussion“, schimpfte Schaaf. Sein Gegenüber gab ihm Recht. „Wenn man es scharf definiert, war es passives Abseits“, sagte Rangnick, fügte aber hinzu: „Die Bremer hätten sich auch nicht beschweren dürfen, wenn der Schiedsrichter vorher Elfmeter für uns gegeben hätte.“

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