Sport : Triumph zu dritt

Bei der Tour de Ski in Oberstdorf hängen die deutschen Langläufer alle ab – die Frauen enttäuschen

Benedikt Voigt[Oberstdorf]

Uwe Bellmann ist das Rennen von Oberstdorf nicht mitgelaufen, er hat es nicht gewonnen, und er übernimmt auch nicht das Goldene Trikot. Trotzdem wird er wie ein Held gefeiert. Als er in seinem Trikot mit der Aufschrift „Technical Service“ über eine hölzerne Absperrung klettert, entdeckt ihn Franz Göring. „Super“, ruft ihm der deutsche Langläufer zu und hält einen Daumen hoch. Sogar Interviews gibt Bellmann. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er. Und als Jens Filbrich enttäuscht neben ihm steht, versucht er ihm zu verdeutlichen, dass dessen Ergebnis leider außerhalb seines Einflussbereichs lag: „Ich kann nichts machen, wenn es plötzlich stärker schneit.“

Cheftechniker Bellmann hat dem Deutschen Skiverband bei der Tour de Ski in Oberstdorf einen Dreifachsieg beschert. „Die Techniker waren Weltklasse“, sagt Tobias Angerer, „die haben den größten Anteil an unserem Erfolg.“ Mit bestens präparierten Ski feierten Franz Göring, Rene Sommerfeldt und Tobias Angerer im Rennen über 15 Kilometer vor 4500 Zuschauern einen deutschen Dreifachsieg. „Das hat es im klassischen Stil noch nie gegeben“, sagte Bundestrainer Jochen Behle, „vor allem der Erfolg von Franz Göring war eine Überraschung.“ Der 22-Jährige hatte zuvor noch nie ein Weltcuprennen gewonnen. „Ich war geschockt, als ich gehört habe, dass ich vorne liege“, sagt Göring, „dann habe ich gesagt, Augen zu und durch.“

Es kam noch besser für die deutsche Mannschaft. Angerer reichte sein zweiter Podiumsplatz bei der Tour de Ski, um das Goldene Trikot des Gesamtführenden zu übernehmen. Vor dem Sprint am Freitag in Asiago (Italien) liegt er 17 Sekunden vor dem Norweger Simen Östensen und 30 Sekunden vor seinem Landsmann Göring. Filbrich folgt auf Rang sieben. „Wir haben jetzt drei unter den ersten sieben“, sagte Angerer, „das gibt uns viele Möglichkeiten nach vorne.“ Nur Axel Teichmann fehlt in dieser Aufzählung. Er konnte das gestrige Rennen wegen eines Infekts nicht mitlaufen und ist bereits von der Tour de Ski abgereist. „Es ist schon fast tragisch, was Axel Teichmann in den letzten Jahren für Pech hat“, sagt Angerer.

In Oberstdorf ist der Winter endlich zum Wintersport gekommen und hat den Läufern und Technikern die alten Materialprobleme beschert. „Es war heute eine Lotterie“, sagt Bellmann. Im Verlauf des Rennens hatte der Schneefall zugenommen. „Die Letzten hatten eine Nachteil“ sagt Angerer. Da bei acht Runden über 2,5 Kilometer immer mehr Läufer ins Ziel kamen, sammelte sich bei den verbliebenen Läufern wie Filbrich der Schnee in der Spur. „Du arbeitest wie ein Wahnsinniger und kommst dann mit 30 Sekunden Rückstand ins Ziel“ sagt Angerer, „aber so ist der Freiluftsport.“ Die früher gestarteten Göring und Sommerfeldt konnten dagegen von den Bedingungen am Ende profitieren. Die guten Platzierungen der Beiden sind dann auch ein Grund dafür, dass sich Angerer nicht zu lange ärgern wollte. Stattdessen sagt er: „Wichtig ist, dass jetzt für uns alles offen ist bei der Tour de Ski.“

Das gilt allerdings nur für die Männern. Bei den Frauen liefen Viola Bauer und Evi Sachenbacher-Stehle auf Rang acht und neun, es siegte die Slowenin Petra Majdic. „Das ist der Bereich, in dem wir uns bei den Frauen aufhalten“, sagt Bundestrainer Behle. Claudia Künzel enttäuschte mit Rang 26; sie ist in der Gesamtwertung weit zurück gefallen. Ohne ein Wort zu sagen, flüchtete sie aus dem Zielraum. „Das lag nicht an den Ski“, sagt Bellmann, „sie hat sich einfach nicht so gefühlt heute.“ Das könnte am Modus der Tour de Ski liegen, der den Läufern zuletzt drei Etappen in vier Tagen abverlangt hatte. „Mancher verkraftet das schlechter“, sagt Bellmann.

Weil sich durch den plötzlichen Wintereinbruch die Bedingungen stündlich änderten, mussten die Techniker lange tüfteln. Für die schwierige Strecke von Oberstdorf stellte sich das Problem des richtigen Wachsens. Viel Steigwachs hilft zwar gut den steilen Anstieg zum Burgstall hinauf – bremst aber bei der anschließenden Abfahrt. Die meisten deutschen Läufer entschieden sich vor dem gestrigen Rennen für einen so genannten Nowax-Ski. Dieser besitzt unter der Bindung Microschuppen, die beim Anstieg helfen. „Der ist sehr gut gelaufen“, sagt Göring.

Bellmann genoss den Erfolg von Oberstdorf. Er und seine sechs Kollegen haben in den drei Tagen von Oberstdorf nur wenig Schlaf gefunden. Ab sechs Uhr morgens probierte sie die verschiedenen Skisorten aus. „Fünf Stunden schlafen geht aber schon“, sagt Bellmann und stutzt. Etwas ist ihm aufgefallen. „Ach, guck mal“, sagt er und blickt in den Himmel, „rechtzeitig zur Siegerehrung, kommt der blaue Himmel durch.“ Das scheint offenbar einen guten Skitechniker auszumachen: Er hat immer einen Blick fürs Wetter.

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