Sport : Trockene Überraschung

Beim Formel-1-Rennen in Silverstone bleibt das erwartete Regenchaos aus – Webber fängt Alonso noch ab, Vettel wird Dritter.

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Foto: AFP

Das größte Wunder war, dass der erwartete Regen ausblieb. Nach dem ganzen Chaos der vergangenen Tage blieb der britische Formel-1-Grand-Prix ein komplett trockenes Rennen. Und dass der Sieger dann am Ende doch nicht Fernando Alonso, sondern Mark Webber hieß, war für viele die nächste. Der Spanier, der sich derzeit in absolut bestechender Form präsentiert, hatte vom Start bis zur viertletzten Runde geführt, ehe er sich dann doch Mark Webber im Red Bull beugen musste. Webbers Teamkollege Sebastian Vettel erwischte den Spanier, der mit seinem weichen Reifensatz ein paar Probleme bekam, dann aber nicht mehr und musste sich mit Platz drei begnügen. Am Start war er im Getümmel auf Platz fünf zurückgefallen, konnte dann aber doch das gleiche Tempo wie die Spitze fahren, als er durch eine geschickte Strategie weiter nach vorne gekommen war. „Wir hatten die richtige Strategie, am Ende hätte ich noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht, um Fernando noch zu kriegen“, sagte der Weltmeister.

Vettel war der erste an der Box gewesen, bereits zu Beginn der 11. Runde holte er sich neue Reifen. So gewann er einige Plätze, doch der vierte Startplatz erwies sich als zu große Bürde. Der Rückstand aus der frühen Rennphase, als Vettel hinter Michael Schumacher Zeit verlor, ließ sich nicht mehr komplett aufholen. „Mark hat den Sieg verdient“, sagte Vettel und schickte noch einen Gruß in Richtung Tribüne. „Ich möchte mich noch besonders bei den Fans bedanken, die hier auch während des schlechten Wetters ausgeharrt haben – das britische Wetter hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Zum Glück sind sie dann ja doch noch mit ein bisschen Sonne verwöhnt worden.“

Weil der Sieger Webber ein ausgesprochener Silverstone-Spezialist ist und beim britischen Publikum sehr beliebt, hatten die Fans auch ohne britischen Piloten auf dem Podium neben dem fernbleibenden Regen etwas zu feiern. Webber fand es „toll, hier nach 2010 jetzt wieder gewonnen zu haben. Bereits vom Start weg konnte ich mit Fernando ganz gut mithalten, wir hatten eine gute Geschwindigkeit ich habe nie aufgegeben, immer gepusht – und am Ende hat sich unsere Strategie ausgezahlt.“ Webber hatte am Ende im Gegensatz zu Alonso die haltbareren harten Reifen zur Verfügung und konnte so den Spanier auf seinen dahinschmelzenden weichen Gummis noch abfangen.

Webber verkürzte dadurch seinen Rückstand in der WM. Alonso führt jetzt mit 129 Zählern vor dem Australier mit 116 und Vettel mit 100. Und unter diesen dreien wird sich die WM am Ende wohl auch entscheiden.

Denn nicht nur das britische McLaren-Team erlebte bei seinem Heimrennen mit den Plätzen acht und zehn für Lewis Hamilton und Jenson Button eine große Enttäuschung. Auch Mercedes konnte mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Michael Schumacher holte als Siebter wenigstens ein paar Pünktchen, während Nico Rosberg ein Wochenende zum Vergessen erlebte, an dem so ziemlich alles schiefging, was schiefgehen konnte. Nach verpatztem Qualifying, schlechtem Start und missglücktem Boxenstopp blieb am Ende nur Rang 15.

Dennoch war Michael Schumacher, der immerhin von Rang drei aus gestartet war, nicht wirklich zufrieden. „Das sind wichtige Punkte, die zum Ende vielleicht in der Konstrukteurs-WM noch hilfreich sein werden“, sagte Schumacher, der vergeblich auf Regen gehofft hatte. „Denn da stehen andere Gesetze im Vordergrund“, sagte der 43-Jährige. „Gestern im Regen wäre sogar mehr als Platz drei drin gewesen, heute aber nicht mehr als Platz sieben. Das ist darauf zurückzuführen, dass unser Auto bei solchen Bedingungen nicht so konkurrenzfähig ist.“ Jetzt hofft er auf seinen Heim-Grand-Prix in zwei Wochen auf dem Hockenheimring: „Das ist keine reine Hochgeschwindigkeitsstrecke wie hier, da könnten wir wieder besser aussehen. Und wenn es noch ein bisschen regnet, dann erst recht!“

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