• Trotz Bandscheibenvorfall vor einem Jahr holte der Bonner mit dem Florett noch Bronze

Sport : Trotz Bandscheibenvorfall vor einem Jahr holte der Bonner mit dem Florett noch Bronze

Nur ein Jahr nach einem Bandscheibenvorfall hat Wolfgang Wienand sein Comeback mit WM-Bronze gekrönt. Der Bonner Florettfechter bescherte der deutschen Mannschaft zudem das erste Edelmetall bei der 55. WM in Seoul. Wienands Siegesserie wurde erst im Halbfinale gestoppt, als er 3:15 gegen den Ukrainer Sergej Golubitzki unterlag, der anschließend im Finale mit einem 15:12 gegen den Italiener Matteo Zennaro als Erster zum dritten Mal in Folge Weltmeister auf Florett wurde.

Trotz der Niederlage gegen Golubitzki konnte Wienand schnell wieder lachen. "Die Freude überwiegt, obwohl ich natürlich nicht ganz zufrieden bin. Das war ein wichtiger Erfolg für mich, der nach vier Jahren Weltspitze lange fällig war", sagte der Olympia-Vierte, der erstmals seit dem Tauberbischofsheimer Thorsten Weidner 1994 wieder eine deutsche Florett-Medaille bei einer WM holte. Getrübt wurde die Freude im deutschen Lager allerdings durch das schwache Abschneiden der Damen mit dem Degen. Europameisterin Imke Duplitzer scheiterte als letzte Deutsche im Achtelfinale und wurde Elfte. "Aber Wolfgang hat den Tag gerettet", sagte der stellvertretende Delegationsleiter Matthias Behr.

Dabei schien Wienands Karriere im vergangenen November schon beendet. Doch trotz eines Bandscheibenvorfalls und der notwendigen Operation im Januar schaffte er als souveräner Ranglistenerster den Sprung zur WM. "Mein Rücken ist nicht geheilt, aber dank viel Kraftraining und Physiotherapie bin ich schmerzfrei." Ausgerechnet vor dem Saisonhöhepunkt fing er sich jedoch eine Magen-Darm-Grippe mit Übelkeit und Erbrechen ein. "Ich hatte nicht soviel Saft, aber bis auf das Halbfinale hat es trotzdem ganz gut geklappt", sagte der Diplom-Chemiker, der zur Zeit promoviert. Immerhin deklassierte er unter anderem den Franzosen Lionel Plumenail, Olympia-Zweiter und WM-Dritter 1997, im Achtelfinale 15:7, ehe er im Viertelfinale seinen Teamkollegen Ralf Bissdorf aus Heidenheim 15:11 ausschaltete. Doch die Feier seines ersten WM-Edelmetalls fiel aus. "Ich bin ziemlich müde und werde die Hälfte der Nacht wegen meiner Probleme wahrscheinlich auf der Toilette verbringen", erklärte Wienand und nahm einen Schluck Wasser. Den Sekt will er für die Olympischen Spiele aufbewahren: "Mein Ziel ist eine Medaille in Sydney, auch wenn WM-Bronze genauso viel wert ist."

Der deutschen Mannschaft war die Erleichterung angesichts der ersten Medaille anzusehen. "Das hebt die Stimmung des gesamten Teams und tut einfach gut", sagte Matthias Behr. Auch Behrs Bruder Jochen, seines Zeichens Florett-Bundestrainer, war hocherfreut über das Ende der Durststrecke: "Wir waren seit fünf Jahren im Florett ohne Medaille, das hat an den Nerven gezehrt."

Zufrieden sein konnte der Coach auch mit der Leistung von Bissdorf (6.) und Pawel Warzycha (Tauberbischofsheim/11.). Damit sorgte das deutsche Trio für eine gute Ausgangsposition für den Mannschaftswettbewerb.

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