Trotz Krise ist ein Trainerwechsel kein Thema : Köln setzt Zeichen der Stärke

Peter Stöger ist mit dem FC Tabellenletzter. Der Trainer sitzt trotzdem fest im Sattel. Das erinnert an den SC Freiburg. Ein Kommentar.

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Nur zwei Punkte nach elf Spielen, aber Peter Stöger bleibt Trainer in Köln.
Nur zwei Punkte nach elf Spielen, aber Peter Stöger bleibt Trainer in Köln.Foto: dpa

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, Peter Stöger startete eine letzte Charmeoffensive, um seinen Job beim 1. FC Köln doch noch zu retten. Der Österreicher hat unmittelbar nach der deprimierenden 0:3-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim angekündigt, dass er sich von der aussichtslosen Lage doch nicht die Lust am Karneval verleiden lasse. Selbstverständlich werde er am Samstag, dem Elften im Elften, den Beginn der Session feiern. „Es gibt Dinge, die kann man nicht verschieben. Weihnachten zum Beispiel, Geburtstage oder den 11.11.“, sagte Stöger.

Der Verein taumelt der Zweiten Liga entgegen, und der Trainer geht auf die Rolle – überall auf der Welt wäre das ein guter Grund, die Zusammenarbeit umgehend zu beenden. In Köln aber sammelt Stöger durch sein bedingungsloses Bekenntnis zum Brauchtum weitere Pluspunkte, weil der Karneval mindestens genauso wichtig ist wie der FC. Und umgekehrt. Stögers Ankündigung wirkt fast ein bisschen wie billige Ranschmeiße an die kölsche Seele; ist es aber nicht, weil Stöger in Köln weiterhin nicht in Frage gestellt wird, nicht von den Spielern, nicht von den Fans – und auch nicht von der Klubführung.

Realistisch betrachtet ist der Klassenerhalt mit nur zwei Punkten aus elf Spielen so gut wie unmöglich. Dass der FC trotzdem an seinem Trainer festhält, ist zumindest indirekt ein Indiz dafür, dass er mit Stöger bis zum bitteren Ende weitermachen will – um dann in der kommenden Saison wieder mit ihm aufzusteigen. So wie sie das in Freiburg auch machen.

Brutaler Realismus

In den vergangenen Jahren ist viel vom neuen FC die Rede gewesen, vom brutalen Realismus, den Jörg Schmadtke dem Klub eingebimst hat. Schmadtke, der Sportdirektor, ist weg, sein Realismus aber ist geblieben: Es ist auch für den FC kein Ausweis von Schwäche, sich am SC Freiburg zu orientieren. Vielleicht ist dies das deutlichste Zeichen dafür, dass sie es in Köln mit der Demut wirklich ernst meinen.

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