Sport : Trotz wackliger Beine erzielte er eine Bestzeit bei ersten Testfahrten in Mugello

Ralf Loweg

Manager Willi Weber hatte zuvor die Erwartungen allerdings gedämpft: "Ein Comeback in Spa wird es nicht geben"Ralf Loweg

Auf wackligen Beinen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist Michael Schumacher nur 40 Tage nach seinem schweren Unfall am 11. Juli in Silverstone bei ersten Testfahrten in Mugello wieder ins Ferrari-Cockpit geklettert. Der zweimalige Formel-1-Weltmeister aus Kerpen, der einen Bruch seines rechten Schien- und Wadenbein erlitten hatte, fuhr gestern die ersten Testrunden und war bei seinem Blitz-Comeback in 1:28,37 Minuten sensationell sogar schneller als sein Teamkollege Eddie Irvine (Nordirland). Der WM-Spitzenreiter erzielte eine Bestzeit von 1:28,64.

Die Entscheidung über Schumachers Renn-Rückkehr bereits am 29. August auf seiner Lieblingsstrecke im belgischen Spa fällt erst heute. Dann soll der 30-Jährige einen Langzeit-Test in Mugello absolvieren. Sollte auch dieser positiv verlaufen, scheint ein Start in Spa, wo Schumacher bereits viermal gewonnen hat, nicht länger ausgeschlossen. Ungewohnt moderate Töne fand Irvine für seinen Partner. "Je eher er zurückkommt, umso besser ist das für Ferrari", sagte der Nordire dem Fernsehsender RTL. Ersatzmann Mika Salo (Finnland) hätte damit auch kein Problem: "Es ist Michaels Auto, ich halte es nur warm für ihn."

Schumachers Manager Willi Weber hatte zuvor die Erwartungen allerdings gedämpft: "Ein Comeback in Spa wird es nicht geben. In der Planung ist der erste Auftritt weiterhin in Monza." Der Große Preis von Italien findet am 12. September statt. Ähnlich beurteilt Salo die Situation: "Ich glaube nicht, dass Michael in Spa fahren kann, weil zwei Tage testen dafür nicht reichen." Ferrari-Pressesprecher Claudio Berro zog zufrieden eine erste Bilanz: "Michael war glücklich, wieder im Team zu sein. Am Anfang war er schon ein bisschen aufgeregt, doch als er den Rennoverall angezogen und den Helm aufgesetzt hatte, war alles wie immer. Im Rennauto ist für Emotionen kein Platz."

Über den Zeitpunkt für Schumachers Comeback sagte Berro klipp und klar: "Niemand hat ernsthaft damit gerechnet, dass er schon in Spa wieder zurückkommt. Das Ziel heißt weiterhin Monza." Doch nach dem Ergebnis einer zweiten Untersuchung am Donnerstag durch ein fünfköpfiges Ärzteteam in einer Privatklinik bei Genf erscheint angesichts der Wunderheilung im Fall Schumacher derzeit nichts unmöglich.

Schumacher, der nach Silverstone bis jetzt bei drei Grand Prix (Zeltweg, Hockenheim, Budapest) pausieren musste und den ersehnten ersten WM-Titel mit Ferrari in dieser Saison nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen kann, kehrte nach der ersten Testrunde sofort wieder in die Box zurück. Das berichteten italienische Medien. Dabei hatte der Ferrari-Star nach Augenzeugenberichten Probleme beim Aussteigen und habe danach auch leicht gehumpelt.

Schumacher, der tags zuvor bei einer zweiten Untersuchung von den Ärzten "grünes Licht" für die Probefahrt erhalten hatte, war vormittags per Hubschrauber in Mugello eingetroffen. "Schumi" wurde abgeschirmt wie der Papst, seine "Schnupperrunden" galten als geheime Kommandosache. Fans und Fernsehteams durften nicht auf das Gelände.
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