Sport : Trübes Klima bei TeBe - Der Ehrenpräsident will vermitteln

Karsten Doneck

Der Eine hält den Anderen für einen Unruhestifter, der sich bei seinen Äußerungen zu den mannschafts-spezifischen Belangen doch gefälligst zurückhalten sollte. Der Andere wiederum machte zuletzt selten einen Hehl daraus, dass ihm die sportliche Entwicklung erhebliche Sorgen bereitet und liess dabei unterschwellig durchblicken, wer das Übel zu verantworten habe: der Trainer. Das Klima beim Zweitligisten Tennis Borussia zwischen Trainer Winfried Schäfer und Manager Jan Schindelmeiser ist zweifellos frostig. In dieser Situation bietet TeBe-Ehrenpräsident Heinz Pietzsch, dessen Wort im Verein nach wie vor erhebliches Gewicht hat, seine Dienste als Schlichter an. "Es stinkt mir gewaltig", sagt Pietzsch, "dass es zwischen Trainer und Manager immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt." Anfang Januar will Pietzsch, sofern man ihn lässt, vermittelnd eingreifen.

Dem früheren Präsidenten schwebt eine partnerschaftliche Kooperation vor, wie sie beim großen Nachbarn Hertha BSC existiert. "Da sollten sich unsere Beiden mal ein Vorbild nehmen an Jürgen Röber und Dieter Hoeneß, die in einer Krisensituation bravourös zusammen gearbeitet haben", so Pietzsch. Zur Erinnerung: Ein paar Monate nach Herthas Bundesliga-Aufstieg 1997 blies Trainer Röber wegen ausbleibender sportlicher Erfolge der Wind massiv ins Gesicht. Manager Hoeneß stärkte in dieser Phase Röber demonstrativ den Rücken. Der Trainer durfte bleiben - eine Maßnahme, die sich im Nachhinein als goldrichtig erwies.

Nur: Sind die Verhältnisse vom einen zum anderen Klub so einfach übertragbar? "Ich will keinen Machtkampf Schindelmeiser gegen Schäfer", stellt Jan Schindelmeiser fest, "das ist doch auch gar nicht das Thema." Stets betont der TeBe-Manager, ihm gehe es nicht um Personen, sondern allein um den Erfolg. Also fordert er eine "schonungslose Analyse der Hinrunde". Eine solche Abrechnung führt aber zwangsläufig zurück zum Trainer, der - laut eigener Aussage - ja unbedingt sportlich zu 100 Prozent die Verantwortung tragen möchte.

Intern wird bei TeBe längst über Schäfers Ablösung diskutiert. Diesen Meinungsbildungsprozess hat aber keineswegs Schindelmeiser angeschoben, sondern Schäfer selbst. Nur ein Sieg in den letzten acht Spielen vor der Winterpause, dazu die ständigen Querelen in der Mannschaft - das erweckt den Eindruck, der Trainer habe die Dinge nicht im Griff. Trotz solcher Argumente würde Ehrenpräsident Heinz Pietzsch am liebsten an Trainer Schäfer festhalten, "auf jeden Fall bis Saisonschluss", wie er einschränkend gesteht. Aber auch er hat Defizite bei Schäfer erkannt. Pietzsch: "Ich weiß nicht, ob er vor der Saison die richtigen Leute geholt hat und frage mich: Passen die überhaupt zusammen? Ciric, Rösler, Kirjakow - da würde mich schon interessieren, wie hat er sich das mit denen vorgestellt?"

Aber falls Schäfer wirklich bei TeBe weitermachen darf, müsste dann nicht, um langfristig Ruhe zu stiften, Jan Schindelmeiser seine Koffer packen? Für Pietzsch kein Thema. "Ich stimme mit unserem Präsidenten Kuno Konrad und dem Aufsichtsratvorsitzenden Zacharias völlig überein, dass wir einen sehr qualifizierten Manager haben, dessen Vertrag wir gerne verlängern würden." Schindelmeisers Arbeitsverhältnis bei den Borussen endet am 30. Juni 2000.

Schäfers gestörtes Verhältnis zu Managern ist seit langem bekannt. Schon in seiner Trainerzeit beim Karlsruher SC mobbte er erst Manager Carl-Heinz Rühl aus dem Job, in seiner Schaffens-Endphase im Badischen lag er mit Klaus Fuchs über Kreuz. Danach beim VfB Stuttgart legte er sich mit Karlheinz Förster an. Jetzt ist Schindelmeiser halt Persona non grata. Die Sache hat Methode. Ein Schäfer duldet keine Aufsicht über seine Arbeit. Vielleicht weil dann zu viele Schwächen offenkundig würden?

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