Sport : Trügerischer Sieg

Alba Berlin schlägt Aufsteiger Ludwigsburg 94:53 – und offenbart Schwächen

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Von Helen Ruwald

Berlin. Die ganze Wahrheit fand sich auf dem orangefarbenen Plakat am Oberrang der Max-Schmeling-Halle: „Gottes schönste Gabe ist der Schwabe“, stand dort, aufgehängt hatten diese sonntägliche Erkenntnis die Basketballfans aus Ludwigsburg. Ihr Team spielte gestern beim Deutschen Meister Alba Berlin, und die Gastgeber kamen nicht umhin den Fans zuzustimmen. Zumindest, wenn „schön“ durch „nett“ ersetzt wird. Denn die rumänischen, kroatischen, US-amerikanischen, französischen, kanadischen, finnischen und wenigen deutschen Schwaben brachten nach starker erster Halbzeit nach der Pause nur noch 16 Punkte zustande und bescherten Alba so einen 94:53 (40:37)-Sieg im ersten Bundesligaheimspiel.

5:13 hatte der Meister und Tabellenführer gegen den Aufsteiger schnell zurückgelegen. Alba tat sich schwer, leistete sich in den ersten beiden Vierteln insgesamt 14 Ballverluste. Nicht die Aggressivität der Gäste machte Berlins Trainer Emir Mutapcic für den schwachen Auftritt verantwortlich, sondern „unsere Arroganz. Wir wollten was Besonderes machen statt einfach zu spielen und haben den Rhythmus in der Defensive verloren.“ Beim Sieg am Freitag in Würzburg hatte die Mannschaft mit - oder trotz - dreier Neuzugänge in der Anfangsformation durchgehend überzeugt. Gestern tat sie es nicht.

In der Pause „sind wir zurechtgewiesen worden“, sagte Henrik Rödl. Anschließend agierte Alba konzentrierter, traf mehrere Dreipunktewürfe in Folge und spielte am Ende nur noch für die 5914 Zuschauer. Hätte die Mannschaft in der ersten Halbzeit auch so dominiert, hätte sie vermutlich einen neuen Rekord aufgestellt hinsichtlich des niedrigsten gegnerischen Scores. So bleiben die 43 Zähler von Bayreuth aus dem Januar 1999 die niedrigste Punktzahl eines Gegners in der Bundesliga.

Allerdings taugte die gestrige Partie auch nicht für Bestmarken. Zu schlecht war der Gegner in der zweiten Spielhälfte, als dass man dem Sieg und vor allem seiner Höhe übermäßige Bedeutung beimessen sollte. Ludwigsburg war nach frechem Auftritt in den ersten 20 Minuten dem Druck nicht mehr gewachsen.

Stark spielte bei Alba erneut Zugang Quadre Lollis, der auf 16 Punkte und zwölf Rebounds kam. Center Jovo Stanojevic machte zwar auch 16 Punkte, agierte aber sehr unauffällig. DeJuan Collins hatte teils extreme Mühe in Spielaufbau und Verteidigung und wurde von seinem Stellvertreter Mithat Demirel übertrumpft. Dann wieder zeigte Collins sein Können und zauberte aus der Distanz die Bälle in den Korb (drei Dreier).

Rödl nahm aus der Partie mit, „was rauskommt, wenn man schlecht spielt und wie es aussieht, wenn man gut spielt. Wir wollen mit den großen Teams in Europa mithalten und den einen oder anderen schlagen. Dazu brauchen wir eine Verteidigung wie in der zweiten Halbzeit“ - von der ersten Minute an. Denn Efes Pilsen Istanbul, Albas erster Euroleague-Gegner am Donnerstag, würde eine ählich schwache Berliner Defensivleistung wie gestern vor der Pause zu einer hohen Führung nutzen. Und die wäre vermutlich nicht mehr aufholbar.

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