TSG Hoffenheim : Brachiale Integration

Boubacar Sanogo, bei Bremen und dem HSV aussortiert, scheint nach einem Spiel in schon Hoffenheim angekommen zu sein.

Frank Hellmann[Sinsheim]
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Willkommen bei der TSG. Demba Ba (links) freut sich mit Sanogo. Foto: dpa

Im ersten Moment schien Boubacar Sanogo hochgradig verunsichert. Was sollte der neue Stürmer von 1899 Hoffenheim nach dieser 63. Minute tun, in der er gerade seinen Gegenspieler Cagdas Atan mit Brachialgewalt beiseite geräumt und den Ball nicht minder entschlossen zum 2:0 gegen Energie Cottbus ins Tor gewuchtet hatte? War das regelgerecht? War das wahr? Mit dem Jubeln wartete der 26-Jährige auch noch, als auf der Tortribüne der neuen Rhein-Neckar-Arena schon die Schunkelorgie zur Jubel-Melodie „Was wollen wir trinken“ begann. Erst nachdem sich Schiedsrichter Manuel Gräfe trotz aller Proteste der Gäste dazu durchgerungen hatte, Sanogos Energieleistung nicht die Anerkennung zu verweigern, ließ sich auch der Ivorer feiern.

Natürlich zuerst von Demba Ba, dem einzig verbliebenen Angreifer aus dem Hoffenheimer Hinrunden-Triumvirat, Torschütze des 1:0 und Wegbereiter des 2:0. Will der Herbstmeister erfolgreich bleiben, müssen der Senegalese und der Ivorer harmonieren. Weil Vedad Ibisevic die nächsten Monate, Chinedu Obasi die nächsten Wochen fehlt, wird im Sturm wohl noch eine Weile Französisch gesprochen. „Wir verstehen uns prima: Er ist ein guter Junge, das Tor freut mich für ihn“, sagte Ba über seinen neuen Sturm- und Zimmerpartner. „Ich bin jemand, der sich schnell integriert“, sagte Sanogo selbst.

Einst von Olaf Marschall beim saudi- arabischen Al-Ain Sport-Club entdeckt, schoss Sanogo in seiner ersten Saison 2005/2006 für den 1. FC Kaiserslautern ohne große Anlaufschwierigkeiten zehn Tore. Auch beim HSV schlug er 2006 als Schnellstarter ein: vier Tore bis zum sechsten Spieltag. Ähnlich furios 2007 sein Einstand in Bremen: neun Treffer nach den ersten 14 Pflichtspielen. Doch so stark der 1,87 Meter große Stürmer begann, so auffällig ließ er nach. Am Ende war er in Hamburg wie Bremen ein Bankdrücker und bei den Fans beinahe ein Profi non grata, so glück- und hilflos stolperte Sanogo über die Spielfelder. Noch im Januar in Werders Trainingslager schien es, als habe der 16-fache Nationalspieler der Elfenbeinküste das Fußball- Einmaleins verlernt, solche Knoten spielte er sich in die Beine. Da scheint es umso verwunderlicher, dass Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser noch einmal mit Nachdruck erläuterte, der vorerst nur ausgeliehene Angreifer habe von Anfang an als einer der Favoriten bei der Suche nach einem Ibisevic-Ersatz gegolten. „Wir wussten ja: Der Junge kommt aus einer nicht glücklichen Situation zu uns“, sagte Schindelmeiser. Genauso wie Timo Hildebrand, der gegen Cottbus einen weniger schönen Einstand hatte: Der Torhüter musste angeschlagen ausgewechselt werden, die Verletzung stellte sich bei einer Untersuchung am Sonntag als Schambein-Prellung heraus. Hildebrand wird wohl nicht länger fehlen.

Um die Akklimatisierung des problembehafteten Angreifers Sanogo hatte sich Trainer Ralf Rangnick persönlich gekümmert. „Ich habe ein paar Gespräche mit ihm geführt“, sagte Rangnick, der Sanogo zudem ein Video mit dessen Bundesligatoren aus besseren Bremer Zeiten zeigte. Und siehe da: Der Sanogo im blauen Hoffenheim-Trikot hatte mit dem Werder-Sanogo nur noch die Rückennummer 18 gemein. Was der größte Unterschied zwischen den beiden Arbeitgebern sei, ist Sanogo am Samstag noch gefragt worden. Er antwortete mit einem Schmunzeln: „Hoffenheim ist Erster, Bremen nicht.“ Woran das liegt? Der Neue überlegte nicht lange, drei Tage Training und ein Spiel hatten zu einer klaren Erkenntnis gereicht: Die neuen Kollegen seien „nonstop unterwegs“. Sanogo sagte: „Dass so viel gelaufen wird, habe ich noch nie erlebt. Jetzt wundert mich gar nichts mehr.“

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