TSG Hoffenheim : Der Star ist der Mäzen

Bei der TSG Hoffenheim ist alles anders, außer die Mannschaft. Wie der Aufsteiger mit nur einem neuen Spieler die Liga halten will.

Sven Goldmann
Eduardo
Ein Brasilianer auf dem Dorf. Carlos Eduardo (l.) macht das Spiel bei der TSG Hoffenheim. -Foto: dpa

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 2: TSG 1899 Hoffenheim.

Was hat sich verbessert?
Die Gegner, die Ansprüche, die öffentliche Wahrnehmung – einfach alles rund um Hoffenheim. Nur nicht die Mannschaft, denn die ist annähernd dieselbe geblieben. Nach dem Aufstieg hatte die halbe Bundesliga schwadroniert, Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp werde nun groß auf Einkaufstour gehen, auf dass sich sein Verein sofort für die Champions League qualifiziere, mindestens. Doch Trainer Ralf Rangnick hat nur einen neuen Spieler verpflichtet: den Stuttgarter Andreas Beck. Hoffenheim vertraut der Mannschaft, die nach dreimonatiger Selbstfindungsphase und einer leichten Schwächephase am Ende der Saison die 2. Liga im Sturm genommen hat. Nachbesserung wie im letzten Jahr ist aber keinesfalls ausgeschlossen. Den prominentesten Zugang stellt Hoffenheim erst im kommenden Januar vor. Es ist das neue Stadion in Sinsheim, 40 Millionen Euro teuer. Die Vorrunde spielt der Aufsteiger im Mannheimer Carl-Benz-Stadion.

Wer sind die Stars? Natürlich ist Dietmar Hopp der Superstar, denn ohne ihn und sein Geld wäre das Hoffenheimer Projekt nie zustande gekommen. Die gegnerischen Fans reduzieren ihre Antipathie bevorzugt auf den emeritierten Software- Unternehmer, was den mittlerweile ziemlich gleichgültig lässt, aber einiges an Druck von der Mannschaft nimmt. Carlos Eduardo, der kleine Spielmacher aus Brasilien, könnte einer der Großen werden. In der Mannschaft hat er einiges gutzumachen, nachdem er wegen einer Tätlichkeit die letzten drei Spiele der Aufstiegssaison verpasste. Die Stürmer Demba Ba und Chinedu Obasi schossen in der Zweiten Liga je zwölf Tore. Obasi hat in seiner Heimat mittlerweile einen so guten Namen, dass der nigerianische Verband mit viel Druck dessen Berufung für das Olympiateam durchsetzte.

Welche Taktik ist zu erwarten? In der Zweiten Liga ließ Trainer Ralf Rangnick zumeist ein klassisches 4-4-2 spielen, mit Carlos Eduardo als Ideengeber im Mittelfeld und den Torjägern Demba Ba und Chinedu Obasi im Angriff. Rangnicks Philosophie deckt sich weitgehend mit der, die Jürgen Klinsmann vor vier Jahren im Nationalteam eingeführt hat (und die dessen Nachfolger Joachim Löw bei der jüngsten EM nicht ganz hat durchhalten können, aus welchen Gründen auch immer). Führt der Gegner den Ball, wird er möglichst früh unter Druck gesetzt, auch von den beiden Stürmern, deren Job nicht allein das Toreschießen ist. „Gegen den Ball arbeiten“, nennt Rangnick das.

Wer hat das Sagen im Verein?
Dietmar Hopp stellt seinem Trainer an jedem Montag einen randvoll mit Tausend- Euro-Scheinen gefüllten Koffer vor die Tür, auf dass der sich kaufen kann, wen er will. So ungefähr stellt man sich das vor. In Wirklichkeit hat Hopp mit dem operativen Geschäft so gut wie nichts mehr zu tun. Sein Geld hat den Aufschwung ermöglicht – aber Geld zu haben bedeutet nicht automatisch, dass man damit auch etwas Sinnvolles anfängt. Dieser zweite Teil des Hoffenheimer Erfolgs liegt in der flachen und deutlich abgegrenzten Hierarchie. Geschäftsführer Jochen Rotthaus kümmert sich um das Marketing, Sportdirektor Jan Schindelmeiser um die Transfers, natürlich in enger Absprache mit Trainer Rangnick.

Wie ist die Stimmung im Stadion?
Keineswegs so tot, wie es sich der gewöhnliche Fan vorstellt. Langsam, aber beständig entwickelt sich eine Fankultur. Das zugegeben winzige Dietmar-Hopp-Stadion war in der Zweitliga-Rückrunde oft ausverkauft und erlebte stimmungsvolle Feste. Nordbaden hat seit dem Niedergang des SV Waldhof Mannheim keine Bundesliga mehr gesehen, entsprechend groß ist die Vorfreude. Echte Heimspielatmosphäre wird es aber erst nach dem Bezug des Stadions in Sinsheim geben. Die Logen und Business-Seats sind schon so gut wie ausverkauft.

Welche Platzierung ist zu erwarten? Nach Jahren des ständigen Aufsteigens stehen die Hoffenheimer in dieser Saison vor der Erfahrung, dass es nicht mehr höher geht. Was aber keineswegs das Ende des Wachstums bedeutet. Der ganz und gar andere Aufsteiger will und wird sich in der Bundesliga etablieren und dürfte mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Hoffenheim plant langfristig. Das Trainingszentrum und den Acht-Stunden-Tag, den die Bayern in diesem Sommer als neueste Errungenschaften der Fußball-Moderne vorstellen, haben sie in Hoffenheim schon seit zwei Jahren. Wenn auch ohne Buddhas.

Morgen: Borussia Mönchengladbach. Die gesamte Serie finden Sie im Internet: www.tagesspiegel.de/sport


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