TSG Hoffenheim - FC Schalke 04 3:3 : Gefühlter Sieg für Markus Gisdol

Der FC Schalke führt bei der TSG Hoffenheim 2:0 und 3:1 und darf am Ende dennoch froh sein, das Spiel nicht noch verloren zu haben.

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Eine Faust geht nach oben. David Abraham bejubelt seinen Treffer zum 3:3-Ausgleich für Hoffenheim.
Eine Faust geht nach oben. David Abraham bejubelt seinen Treffer zum 3:3-Ausgleich für Hoffenheim.Foto: dpa

Sinsheim - Kevin-Prince Boateng wirkt nicht nur auf dem Rasen wie der Schalker Spielertrainer. Er dirigiert, weist an, ruft, lobt und tadelt. Ziemlich oft entsteht dieser Eindruck aber auch nach Schalker Spielen. So wie in der Rhein-Neckar- Arena in Sinsheim – nachdem Schalke 2:0 und 3:1 führte, am Ende über ein 3:3 (3:1) froh sein musste und beinahe noch verloren hätte. Boateng also schimpfte wie ein unzufriedener Fußballlehrer und meinte: „2:0 und 3:1 – da denken alle, es ist so einfach. Dann ein bisschen Hacke, ein bisschen Spitze und der Gegner kommt zurück. Ich bin sauer“. Und weiter: „Wir müssen Spiele gewinnen, Punkte holen und enger stehen.“ Boatengs Analyse traf die Wahrheit sehr genau nach einem turbulenten Spiel vor 29 139 Zuschauern.

Das Problem ist nur, es kommt öfter vor bei Schalke, dass eine der beiden Halbzeiten völlig daneben geht. Weil Boateng nicht Trainer ist, sondern Stürmer, konnte er zum Duschen gehen und Jens Keller musste erklären, wie es zu einem derartigen Leistungsabfall kommen konnte. „Maßlos enttäuscht“ sei er von seiner Mannschaft, sagte der Cheftrainer. „Die Leistung der zweiten Hälfte kann ich nicht akzeptieren“. Am Ende hatte er selbst bangend an der Seitenlinie gestanden und zugesehen, wie Roberto Firmino (84.) beim Stand von 3:3 gegen die Latte schoss und Sven Schipplock (87.) an Timo Hildebrand scheiterte.

Zu dem Zeitpunkt war die erdrückende Dominanz der Schalker wie weggeblasen. Im Strafraum der Gelsenkirchener herrschte Alarmstimmung, im Spiel keine Ordnung, sondern Durcheinander. Schalke verlor nach der Pause nach den Treffern von Boateng (3.), Joel Matip (13.) und Marco Höger (40.) und dem Hoffenheimer Gegentor durch Anthony Modeste (16.) völlig die Linie.

„Eine Spitzenmannschaft hätte das heute hier gewonnen“, sagte Manager Horst Heldt und umschiffte mit seinen Antworten die erneut aufkeimende Kritik an Trainer Keller. Stattdessen drohte Heldt seinen Spielern mit Konsequenzen, sollten die ihre Fehler nicht abstellen. „In der zweiten Hälfte waren einige nicht mehr bei Sinnen. Wir werden genau schauen, wer zuverlässig ist und wer nicht“.

Hoffenheims Trainer Markus Gisdol, der das Resultat wesentlich positiver betrachtete, hatte scherzhaft angeregt, bei Hoffenheimer Spielen künftig einen „Erlebniszuschlag“ zu erheben. Angesichts des kuriosen Torverhältnisses von 18:18 keine schlechte Idee. Dennis Aogo müsste davon diesmal Teile abbekommen. Er foulte übermotiviert David Abraham (48.), Firmino verwandelte den Elfmeter zum 2:3. Schalke hatte endgültig seine innere Ruhe verloren. Abraham traf in der 61. Minute zum 3:3-Ausgleich mit einem schönen Freistoß. Danach begann das große Schalker Zittern. Oliver Trust

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