TSG Hoffenheim : Lautsprecher-Affäre nur ein Lausbubenstreich

Unsportlich: ja, strafwürdig: nein. Die Entscheidung des DFB-Kontrollausschusses im Zuge der "Lautsprecher-Affäre" von Hoffenheim hat unnötig viele Fragezeichen hinterlassen. Die TSG nicht zu bestrafen, war ein Fehler.

Alex Raack
Mit diesem Gerät sind die gegnerischen Fans von Hoffenheim beschallt worden.
Mit diesem Gerät sind die gegnerischen Fans von Hoffenheim beschallt worden.Foto: dpa

Soll man lachen oder weinen? Der Kontrollausschuss des DFB hat bereits am vergangenen Donnerstag das Ermittlungsverfahren gegen die TSG Hoffenheim im Zuge der "Lautsprecher-Affäre" eingestellt. Offizielle Begründung: "Das Vorgehen des Mitarbeiters stellt zwar ein unsportliches Verhalten dar, ist allerdings als geringfügig einzustufen." Bedeutet im Klartext: Keine Strafe für Hoffenheim, keine Strafe für den Hausmeister, der mit einer selbst konstruierten Anlage Gesänge aus dem Dortmunder Auswärtsblock übertönen wollte. Keine Strafe für ein unsportliches Verhalten, dass es in dieser Form im deutschen Fußball noch nicht gegeben hat.

Fußballfans zum Schweigen bringen – kreative Nachahmer gesucht

Es braucht noch nicht einmal Zynismus um festzustellen, dass die Entscheidung des DFB-Sportgerichts möglicherweise allen möglichen Nachahmern Tor und Türen geöffnet hat. Wer Fußballfans in Deutschland zum Schweigen bringen möchte, der darf seiner Kreativität nun freien Lauf zu lassen. So sie denn nicht mehr als 90 Dezibel erzeugt – das ergab das von vielen beteiligten Fans angezweifelte Gutachten durch Jürgen Maue vom Institut für Arbeitsschutz im Dezember 2011. Zur Erinnerung: Die für den Fall verantwortliche Staatsanwaltschaft Heidelberg (gleich mehrere BVB-Fans hatten Schadensersatzforderungen gestellt) vermeldete anschließend: "Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren wegen erwiesener Unschuld eingestellt."

Fan-Kultur im Profifußball

Fußball-Fankultur
Aufruf ans Fanvolk. Auch Herthas Ostkurve warb für die Demonstration, die am Sonnabend ab 13 Uhr in Berlin-Mitte vom Alexanderplatz über Torstraße, Friedrichstraße und Unter den Linden zurück zum Alex führen soll. Hier eine Bildergalerie über Fankultur in der Kurve und anderswo.Weitere Bilder anzeigen
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07.10.2010 08:17Aufruf ans Fanvolk. Auch Herthas Ostkurve warb für die Demonstration, die am Sonnabend ab 13 Uhr in Berlin-Mitte vom...

Strafrechtlich war die Angelegenheit damit vom Tisch, doch zumindest vom DFB-Sportgericht erwartete ein Großteil der deutschen Fanszene eine angemessene Reaktion. Hoffenheim hatte Mist gebaut, Hoffenheim sollte dafür bestraft werden. So der einhellige Tenor. Laut DFB hat Hoffenheim tatsächlich Mist gebaut, wird aber nicht dafür bestraft. Logisch erklären kann man das nicht.

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