Sport : TSV 1860 München: Präsidialer Schönredner

Nach der neuen Enttäuschung versuchte sich Karl-Heinz Wildmoser als Verbal-Kosmetiker. Sein TSV 1860 München hatte soeben beim 1:1 (0:1) gegen den Hamburger SV über weite Strecken der Partie erneut seine derzeitige Krise untermauert, doch der Präsident mochte seinen vielkritisierten Trainer Werner Lorant nicht noch weiter in die Enge treiben. "Was wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, lässt uns mit Mut nach Bremen fahren. Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, in der zweiten Halbzeit zumindest", sagte Wildmoser und redete den Auftritt seiner Profis schön.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Dabei übersah der Präsident der Münchner, dass seine Angestellten nach zuletzt vier Niederlagen in UI-Cup und Meisterschaft sowie quälenden Diskussionen über eine sofortige Ablösung des Coaches auch gegen die Hamburger 60 Minuten lang kein Land sahen. Stattdessen suchte er angesichts der wohl nicht verebbenden Fragen nach dem Verhältnis zwischen Lorant und weiten Teilen von Club, Team und Umfeld nach den positiven Aspekten eines verdrießlichen Nachmittags. "Schade, dass das Spiel nur 90 Minuten gedauert hat, sonst hätten wir mit Sicherheit gewonnen."

Lorant war bereits "froh, dass die Mannschaft nach dem Rückstand mal wieder den Ausgleich gemacht hat". 435 Minuten hatten seine Spieler nicht mehr getroffen, ehe Paul Agostino vor 25 500 Zuschauern die Führung von Nico-Jan Hogma egalisierte und damit den ersten Punkt der Saison sicherte. Dennoch zeigte die Leistung der verunsichert und ohne Harmonie agierenden Münchner nicht, dass Lorant seiner Elf noch Impulse geben kann.

Das taten auch die Aussagen der Spieler nicht. "Keine Zeit" hatte Agostino, um über die Trainer-Debatte nachzudenken. Thomas Häßler, einer von Lorants Lieblingen, verweigerte dem Trainer bei seiner Auswechslung gar den Handschlag. "Er ist durchgegangen, weil er mit seiner Leistung nicht zufrieden war", sagte Lorant dazu.

Für den Trainer ist 1860 längst ein Verein wie jeder andere. Früher kokettierte er bisweilen mit einem Abschied aus eigenen Stücken; inzwischen will er dem Klub keine Mark mehr schenken, sollte er gefeuert werden. "Ich habe einen Vertrag bis 2003, und den erfülle ich", sagte Lorant. Dabei unterstützt ihn Wildmoser weiterhin nach Kräften: "Er ist ein sehr guter Trainer", wiederholte der Präsident und korrigierte das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz schon am dritten Spieltag nach unten: "Wichtig ist, erst einmal 40 Punkte zu holen." Dann wäre sein Verein nicht abgestiegen.

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