Sport : Türkische Ambitionen

Heute beginnt die Saison in der Oberliga

Matthias Koch

Berlin - Sieben Mannschaften aus Berlin, fünf aus Brandenburg und vier aus Mecklenburg-Vorpommern, kämpfen in der Fußball-Oberliga Nord vom heutigen Freitag an um einen Aufstiegsplatz zur Regionalliga. Drei Teams müssen in die Verbandsligen absteigen. Wir beleuchten die Situation der Hauptstadtteams und des Mitfavoriten Babelsberg 03.

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Tennis Borussia wird von jedem Experten als erster Aufstiegsanwärter genannt. „Nach dem Aufstieg des 1. FC Union ist die Konstellation günstig für uns“, sagt Kapitän Stephan Schmidt. „Wir sind eine eingespielte Mannschaft, brauchten uns nur punktuell zu verstärken. Dieses Jahr müssen wir es einfach packen.“ Selbstbewusst ist auch Trainer Dejan Raickovic vor dem heutigen Saisonauftakt gegen Hansa Rostock II (19.30 Uhr, Mommsenstadion). „Der Aufstieg ist Pflicht“, sagt er. Aufbruchstimmung soll auch die von der Mannschaft gesungene Vereinshymne ausstrahlen. „Wir glauben an TeBe“, heißt es unter anderem im Text.

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Aufstiegskandidat will auch mal wieder Babelsberg 03 sein, obwohl die Potsdamer seit Jahren in der Rückrunde einbrechen. „Das wird es nicht noch einmal geben“, sagt Trainer Rastislav Hodul. „Wir haben ein klar definiertes Ziel. Wir wollen in die Regionalliga.“ Für die Brandenburger geht es in den nächsten zwölf Monaten nicht nur um Punkte. Vor Gericht kämpft der Verein auch um das Karl-Liebknecht-Stadion. Anwohner klagen seit Jahren gegen Belästigungen durch Lärm, Bratwurstgeruch und Flutlicht.

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Geheimfavorit könnte der BAK 07 sein. Der Weddinger Verein kooperiert seit kurzem mit dem türkischen Superligisten Ankaraspor. Deshalb wurde der Berliner Athletik Klub auch in Berlin Ankaraspor Kulübü umbenannt. Eine türkische Investorengruppe um den neuen ersten Vorsitzenden Ahmet Gökcek, Sohn des Bürgermeisters von Ankara, will angeblich mehr als 500 000 Euro in den bislang chronisch finanzschwachen Verein pumpen. Einige Ex-Profis wie Chibuike Okeke und Luiz Gomis wurden geködert. Bleibt abzuwarten, ob der Verein sie die ganze Serie lang bezahlen kann. Der neue Trainer, der frühere Bundesligaprofi Thomas Herbst, soll auf jeden Fall die Vorarbeit für größere Ziele leisten. „In dieser oder in der nächsten Saison wollen wir in die Regionalliga. In fünf Jahren streben wir die 2. Bundesliga an“, sagt Generalmanager Derya Akkar, der zudem hofft, Talente für den türkischen Markt entwickeln zu können.

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Der BFC Dynamo kämpft weiter mit den Spätfolgen der Ausschreitungen beim Spiel gegen den 1. FC Union im Mai. Zum einen bleibt das marode Sportforum mindestens bis Ende Oktober gesperrt. Der BFC muss im Jahnsportpark auflaufen. „Wir haben beim NOFV ein Gnadengesuch gestellt, danach die unbedenklichen Spiele im Sportforum austragen zu dürfen“, sagt Präsident Mario Weinkauf. Der vom Nordostdeutschen Fußball-Verband geforderte neue Sicherheitszaun im Sportforum wurde noch nicht gebaut. Der BFC mahnt den Senat, diesen Auftrag endlich öffentlich auszuschreiben. Wegen der Randale beim Union-Spiel im Mai hat sich in dieser Woche auch Hauptsponsor Jetlag zurückgezogen. Mit Jetlag-Vorgänger Infinity wurde Ersatz gefunden. Trainer Rajko Fijalek sagt zu den sportlichen Zielen: „Wir wollen den Abstand nach oben verkürzen.“

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Nach zweijähriger Abwesenheit kehrt der LFC Berlin wieder in die Oberliga zurück, der früher VfB Lichterfelde hieß. „Wir haben einen kleinen Etat. Meine Mannschaft hat ein Durchschnittsalter von 22 Jahren“, sagt Trainer Michael Wolf. „Dennoch wollen wir nicht in Abstiegsgefahr geraten.“ Der Verein wird dem Ruf gerecht, die größte Jugendabteilung Deutschlands zu besitzen. Der 17-jährige Mittelfeldspieler Lars Vilsvik ist auf dem Sprung in die Stammelf.

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Türkiyemspor steht mal wieder vor dem Neuanfang. Etliche Spieler und Trainer Herbst sind abgewandert. Der neue Trainer Jürgen Görlitz will „nicht in Abstiegsgefahr geraten“. Görlitz kritisiert, dass viele seiner Spieler die Vorbereitung nicht vollständig mitgemacht haben.

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Für den BFC Preussen steht das schwierige zweite Jahr nach dem Aufstieg an. „Für uns geht es nach den Abgängen einiger Stammspieler um den Klassenerhalt“, sagt Coach Mehmet Öztürk. „Schön wäre ein einstelliger Tabellenplatz.“

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Dasselbe Ziel hat der SV Yesilyurt mit seinem neuen Trainer Yüksel Yesilova, der gleich fünf Spieler an Ligakonkurrent BAK 07 verloren hat.

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