Sport : Türkische Fans werden an der Kasse abgewiesen - Kritik von Kinkel

Suzan Gülfirat

Beim EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Türkei am 6. Oktober im vergangenen Jahr jubelten im Münchner Olympiastadion die Massen. Aus Sicht mancher deutscher Fußball-Nationalspieler allerdings nicht die richtigen. Denn die Ränge im Stadion verschwanden in einem Meer aus roten Fahnen mit weißem Halbmond und Stern, sodass hinterher vom "Auswärtsspiel im eigenen Stadion" die Rede war. "Unmöglich", fand das damals Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß. Der Deutsche Fußball-Bund hatte unter dem Eindruck des Erdbebens in der Türkei dem türkischen Fußballverband in Dortmund 20 statt der von der Uefa vorgeschriebenen zehn Prozent der Karten überlassen. Hinzu kamen die türkischen Fans, die an den deutschen Vorverkaufskassen Karten gekauft hatten. Die damalige Forderung an den DFB, bei der Verteilung der Karten regulierend einzugreifen, scheint der Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund nun wörtlich genommen zu haben.

Als Emre Ilter aus Herne/Wanne-Eickel Karten für das Uefa-Cup-Duell am 2. März mit Galatasaray Istanbul im Westfalenstadion kaufen wollte, ist er mit dem Argument, dass das Ausländerkontingent ausgeschöpft sei, abgewiesen worden. "Ich habe meinen deutschen Personalausweis gezeigt, aber auch das hat nichts genutzt", sagt der 36-jährige Galatasaray-Fan, der nach eigenen Angaben seit seinem zweiten Lebensjahr im Ruhrgebiet lebt. Eine Anweisung des Vorstands, habe es geheißen. Schließlich hat er in seiner Wut an die Parteien im Bundestag geschrieben und im Internet einen Text dazu veröffentlicht. "Danach haben sich andere Türken gemeldet, die mit dem gleichen Argument weggeschickt wurden", behauptet er. Mit Hilfe des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel (FDP), der an den Borussia-Präsidenten Gerd Niebaum einen offenen Brief verfasst hat, bekam Emre Ilter "ausnahmsweise" doch noch eine Karte.

"Wir sind beim Verkauf schon über die 10-Prozent-Grenze hinausgegangen", rechtfertigt Borussias Pressesprecher Josef Schneck zunächst diese Verkaufspraxis. Zusätzlich zu den 2500 Karten, die Borussia Dortmund Galatasaray Istanbul überlassen habe, seien unzählige Karten an der Kasse an türkische Fans verkauft worden. Außerdem seien unter den 45 000 Dauerkarten-Besitzern auch türkische Fans. Durch die UEFA-Vorschrift, aus Sicherheitsgründen auch in der Stehtribüne Sitzplätze einzubauen, würden in das Stadion zudem statt der üblichen 69 000 Zuschauer nur noch 52 000 passen.

Auf das Argument, dass ein Fan einer anderen Bundesliga-Mannschaft, der in Dortmund lebt, auch nicht gefragt wird, für welche Mannschaft er die Daumen drückt, fällt ihm schließlich noch eine andere Erklärung für den Vorfall ein, den er nicht kenne. "Sicherlich hat sich das Personal ungeschickt ausgedrückt. Denn damals waren die Karten ausverkauft", sagt er. Allerdings ohne zu wissen, wann Emre Ilter die Karten kaufen wollte.

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