TÜRKISCHE NATIONALSPIELER aus Deutschland : Spiel mit der Heimat

Hamit Altintop ist in Gelsenkirchen geboren, Hakan Balta in Berlin – und trotzdem spielen sie am Mittwoch im Halbfinale gegen ihr Geburtsland. Typisch, denn wer in Deutschland als Sohn türkischer oder türkischstämmiger Eltern aufwächst, der spielt in der Regel Fußball für die Heimat der Eltern. Erst eine Ausnahme gab es: Mustafa Dogan, der sogar in der Türkei geboren wurde, kam zu zwei Kurzeinsätzen in den Jahren 1999 und 2000 – gegen die Türkei. Bei Mehmet Scholl hingegen ist nur der Vorname türkisch. Scholl hatte zwar einen türkischen „Erzeuger“ wie er einmal sagte, als Scheidungskind allerdings nichts mit seinem Vater zu tun. Für die Türkei traten vor Hamit Altintop und Balta schon viele türkischstämmige in Deutschland aufgewachsene Fußballprofis gegen den Ball: Ümit Davala wurde in Mannheim entdeckt, Ali Günes in Freiburg, Ilhan Mansiz in Kempten und Yildiray Bastürk, der für den VfB Stuttgart spielt und in Wanne-Eickel geboren wurde.

Es sieht zurzeit nicht danach aus, als sollte es bald einen Nachfolger für Mustafa Dogan im deutschen Team geben: In den Nachwuchsnationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes spielt zurzeit mit Baris Özbek nur ein Spieler mit türkischer Abstammung. Und der in Castrop-Rauxel geborene Özbek wird dieses Jahr schon 21, ein Durchbruch im A-Team ist unwahrscheinlich. Beste Chance den zu schaffen hatte Erdal Kilicaslan. Mit 32 Toren ist er bis heute Rekordtorschütze der deutschen U21-Nationalmannschaft – für die der gebürtige Münchner inzwischen viel zu alt ist. Bald wird er 24 Jahre, mit mäßigen Erfolg spielte er zuletzt für Gaziantepspor in der Ersten Liga der Türkei, der Klub schob ihn zwischenzeitlich sogar in die Zweite Liga ab.

Bei unseren deutschsprachigen Nachbarländern dagegen sind türkischstämmige Spieler im Nationalteam längst Alltag: Für Österreich war bei der EM der gebürtige Wiener Ümit Korkmaz

im Einsatz, für die Schweiz erzielte Torjäger Hakan Yakin alle drei Turniertreffer – neben ihm standen Gökhan Inler und Eren Derdiyok im Schweizer Kader. Claus Vetter

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