Türkische Süper Lig : Podolski, van Persie, Eto'o - Superstars auf Pump

Lukas Podolski, Robin van Persie und Samuel Eto'o: Spieler mit großen Namen sollen dem türkischen Fußball den Erfolg zurückbringen. Doch der Liga laufen die Zuschauer davon, viele Klubs drücken Schulden.

Lukas Podolski wurde von den Galatasaray-Fans stürmisch empfangen. Foto: Imago
Lukas Podolski wurde von den Galatasaray-Fans stürmisch empfangen.Foto: Imago

Sogar Arjen Robben soll jetzt an den Bosporus wechseln. Die Meldung verrät viel über den Gemütszustand der türkischen Liga in diesem Sommer: Vor allem die drei großen Istanbuler Clubs rüsten für die kommende Saison kräftig auf und geben Millionen für große Namen aus. So soll Fenerbahce Istanbul dem Bayern-Star ein lukratives Millionen-Angebot gemacht haben, wenn stimmt, was die türkische Zeitung „Milliyet“ erfahren haben will.

Der Holländer dürfte wohl dennoch in München bleiben - doch Fenerbahce gilt aktuell als Vorreiter im Kaufrausch. Die Gelb-Blauen von der asiatischen Seite der türkischen Millionmetropole verpflichteten von Manchester United nicht nur den portugiesischen Mittelfeldstar Nani, sondern auch noch Robin van Persie, Stürmerikone und 98-maliger niederländischer Nationalspieler. Die Euphorie ist so groß, dass die Fans den 31-Jährigen schon bei seiner Ankunft bejubelten, als habe er den Klub bereits zum Titel geschossen.

Die Istanbuler Konkurrenz will nicht nachstehen. Für den Stadtrivalen Galatasary läuft künftig Weltmeister Lukas Podolski auf, der ähnlich stürmisch wie van Persie empfangen wurde. Podolski spielt im Gala-Trikot an der Seite von van Persies Nationalmannschaftskollegen Wesley Sneijder, bislang klanghaftester Name der Süper Lig.

Ronaldinho sagte Antalyaspor ab

Und der nächste Deutsche soll bald folgen. Besiktas, der dritte große Klub in Istanbul, will den früheren Münchner Mario Gomez kaufen. Der Stürmer wäre dann Teamkollege des Ex-Hoffenheimers Andreas Beck, der ebenfalls in diesem Sommer in die Türkei wechselte.

Bei Fenerbahce nichts anderes: Robin van Persie im Pulk der Menge. Foto: Imago
Bei Fenerbahce nichts anderes: Robin van Persie im Pulk der Menge.Foto: Imago

Die Sehnsucht nach großen Namen beschränkt sich nicht auf die namhaften Istanbuler Teams. Antalyaspor, gerade erst aus der zweiten Liga aufgestiegen, lockte die in die Jahre gekommene Stürmerdiva Samuel Eto'o mit einer Millionengage ans Mittelmeer. Vereinschef Gültekin Gencer, ein reicher Lebensmittelhändler, wollte dem Kameruner mit Ronaldinho noch einen Ex-Weltfußballer zur Seite stellen. Mit 35 ist er noch ein Jahr älter als Eto'o. „Barcelona reloaded“ nannte sich Gencers Traum. Am Ende sagte Ronaldinho ab.

Während Antalyspor von der ersten Meisterschaft träumt, streben die Istanbuler Klubs nach Höherem. „Mit diesen Transfers wollen sie sich einen Platz in der europäischen Fußballvitrine verschaffen“, sagt der türkische Sportökonom Tugrul Asker. Denn der türkische Fußball hat längst den Anschluss an Europas Spitze verloren.

Viele türkische Vereine drücken hohe Schulden

Galatasaray wurde in der vergangenen Vorrunde der Champions League vom BVB und vom FC Arsenal abgefertigt. Fenerbahce war wegen eines Bestechungsskandals zwei Jahre lang sogar ganz vom Europapokal ausgeschlossen. Auch die türkische Nationalmannschaft ist nur noch ein Schatten einstiger Erfolgszeiten. In der EM-Qualifikation liegt sie auf Platz vier ihrer Gruppe.

Die Entwicklung der Vereinsteams und der Nationalelf sind deutliche Symptome einer Krise des türkischen Fußballs, die seit einigen Jahren anhält. Die Süper Lig erlebte in der vergangenen Saison einen dramatischen Zuschauereinbruch mit leeren Stadien, weil sich die Fans vor einem Ticketkauf jetzt registrieren lassen müssen. Viele Vereine drücken zudem hohe Schulden. Galatasaray etwa konnte Sneijder in der vergangenen Saison drei Monate lang sein Gehalt nicht zahlen.

Die Millionen-Einkäufe sind auf Pump finanziert

Die Millionen-Einkäufe dürften die Lage verschlimmern. Transfers in der Süper Lig würden vor allem auf Pump finanziert, sagt Sportökonom Aksar - indem die Klubs künftige Einnahmen abtreten oder sich Geld von Banken leihen. Nur ein Viertel der Transferkosten werde durch Einnahmen erwirtschaftet, schätzt Aksar.

Wer dabei wegen fehlenden Geldes die großen Altstars nicht anlocken kann, setzt auf die kleinen. Eskisehirspor, ein Durchschnittsteam der Liga, verpflichtete den Griechen Theofanis Gekas, 35 Jahre alt. In der vergangenen Saison war der frühere Bundesliga-Torschützenkönig noch bei einem Ligakonkurrenten suspendiert worden. Sein neuer Coach: Ex-Hertha-Trainer Michael Skibbe, der Gekas einst schon in Leverkusen trainierte. (dpa)

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