Sport : Türkiyemspor: Eine neue Liebe für Uli Borowka

Andre Görke

Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte Fikret Ceylan gar nicht finden können. Der Manager vom Kreuzberger Fußballklub Türkiyemspor saß gemütlich am Nachmittag am Spielfeldrand der Hanne-Sobeck-Anlage und plauderte munter in sein Handy. Am 23. Mai hatte Ceylan den bisherigen Trainer Thomas Herbst entlassen. Man habe sich nicht auf ein neues Konzept einigen können. Nun hat Ceylan einen Nachfolger gefunden. Der ehemalige Nationalspieler Uli Borowka wird neuer Trainer beim viertklassigen Oberliga-Klub Türkiyemspor.

Borowka stand währenddessen ein paar Schritte weiter vorne, nämlich vor der Bank des Berliner AK. Bei den Weddingern war der 39-Jährige bis zum gestrigen Nachmittag noch Trainer gewesen. Der BAK spielte gerade gegen Eintracht Sondershausen. Borowkas Team gewann 5:1 und bleibt in der Oberliga. Eine gute Referenz.

"Ich hatte mich in Berlin umgeschaut", sagt Ceylan. "Ich wollte einen, der unsere Mannschaft wirklich weiterbringt. Und der einzige für diesen Job ist Uli Borowka." Borowka, der sich öffentlich zu seiner Alkoholsucht bekannt und als Fußballlehrer einen neuen Anfang gewagt hatte, war neun Spieltage vor Saisonende beim weit abgeschlagenen Berliner AK eingestiegen. Mit Erfolg. Doch die Rückendeckung bei den Weddingern war nicht allzu groß. Der alte BAK-Trainer Wolfgang Schilling war vom neuen Präsidenten Holger Zimmermann am Telefon entlassen worden. Die Spieler erfuhren aus dem Videotext von der Entlassung. Einige Spieler weigerten sich schließlich, weiterhin für den Berliner AK zu spielen.

"Er hat aber sehr gute Arbeit beim BAK geleistet", sagt Manager Ceylan. Zu Thomas Herbst, immerhin auch ein ehemaliger Bundesligaspieler, sagt er: "Ich halte nichts davon, dass einer ewig im Verein bleibt. Die Mannschaft brauchte frisches Blut." Türkiyems bisheriger Trainer, der nur wenige Tage vor dem Berliner Pokalendspiel entlassen wurde, ist jetzt ohne Verein.

Borowka unterschreibt bei Türkiyemspor einen Einjahresvertrag. Mit dem ehemaligen Nationalspieler, der seit einigen Jahren in Tempelhof wohnt, scheint alles möglich. Zumindest drückt sich Ceylan so aus. "Wir sind bereit, in die Regionalliga aufzusteigen", sagt er. "Wir landen auf einem der ersten sechs Plätze." In dieser Saison war gerade einmal der 14.-Tabellenplatz drin.

Borowka war in den Neunziger Jahren tief abgerutscht. Nach seinen Alkoholexzessen rutschte er in die Negativschlagzeilen, die Karriere war vorbei. Der 39-Jährige kickte kurzeitig sogar beim unterklassigen Berliner Amateurverein Tasmania, wenig später in der polnischen Provinz. Doch Ceylan hat er schnell überzeugt. "Borowka hat gesagt, dass er Türkiyem liebt."

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