Sport : Turbine gewinnt Europapokal

Helen Ruwald[Potsdam]

Nur die Hochspannungsleitungen der Straßenbahn können Turbine Potsdam am Samstagnachmittag gefährlich werden. Als die Fußballerinnen im offenen Doppeldeckerbus vom Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion zum Empfang im Potsdamer Rathaus fahren, stehen sie auf dem Oberdeck und brüllen „die Hände zum Himmel“ – verschreckte Zwischenrufe „Hände runter“ von wohlwollenden Vereinsmitgliedern bleiben ungehört. Die Spielerinnen feiern den Uefa-Cup-Sieg, das 3:1 im Finalrückspiel gegen Djurgarden/Älvsjö aus Stockholm, sie sind berauscht vom größten Triumph der Vereinsgeschichte, berauscht aber auch schon von Bier und Sekt, die sie sich erst über die Köpfe und dann in sich hinein gekippt haben.

2:0 hatte Potsdam das Hinspiel gewonnen, im Rückspiel stand es nach 16 Minuten 3:1 durch Tore von Petra Wimbersky, Conny Pohlers (2) und dem Gegentreffer von Kristin Bengtsson. Es war frühlingshaft warm, doch Ariane Hingst, die Welt- und Europameisterin, hatte in den letzten Spielminuten „eine Dauer-Gänsehaut, das waren riesige Emotionen“. 8646 Fans im fast ausverkauften Stadion sangen „Oh, wie ist das schön“, Trainer Bernd Schröder zog sich in den Innenraum zurück, um den Erfolg alleine zu genießen und zu verarbeiten. Auf dem Spielfeld „haben wir uns nur noch angegrinst“, erzählte Hingst später. Die Ersatzspielerinnen standen vor der Bank, hakten sich unter – und warteten auf den Abpfiff. Anja Mittag vergab die letzte Torchance, dann war das Spiel endlich aus. Ariane Hingst reckte wenig später den Uefa-Pokal in die Höhe, und DFB-Präsident Theo Zwanziger rief ins Mikrofon: „Ihr habt Großes geleistet und Werbung für den deutschen Fußball gemacht!“ Den Fußball, nicht den Frauenfußball, schließlich zog Turbine als einziges deutsches Team in ein europäisches Finale ein. Und begeisterte dort bis zur letzten Minute mit Angriffsfußball.

Petra Wimbersky hatte ihr Team schon in der zweiten Minute in Führung gebracht. Trainer Schröder senkte den Kopf und hob dann dankbar die gefalteten Hände Richtung Himmel. Nur sieben Minuten später köpfte Conny Pohlers das 2:0, fünf Minuten später – Kristin Bengtsson hatte mittlerweile den Anschlusstreffer erzielt – gelang ihr im neunten Uefa-Cup-Spiel der Saison ihr 14. Tor. Es hätten noch mehr werden können, doch die Nationalspielerin vergab gestern mehrere hochkarätige Chancen. Am Ende war es egal, die Fans jubelten „Conny Pohlers Fußballgott“, und Pohlers hatte einfach „ein geiles Gefühl“.

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