Turbine Potsdam : Auf den Spuren von Zinedine Zidane

Die Fußballerinnen von Turbine Potsdam träumen nach dem überraschenden Gewinn der Deutschen Meisterschaft jetzt vom Champions-League-Finale in Madrid.

Helen Ruwald
Turbine Potsdam - VfL Wolfsburg 3:0
Mit Meisterschale. Die Potsdamer Fußballerinnen.Foto: dpa

Für eine durchfeierte Nacht reichte bei Jennifer Zietz die Kraft nicht. „Um zwei Uhr früh war ich zu Hause“, erzählt die Fußballnationalspielerin am Tag nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels in einem dramatischen Fernduell mit dem FC Bayern, in dem ein einziges Tor entschied. „Es war ein kräftezehrendes Spiel. Letzte Woche sind wir durch die Hölle gegangen, wir wollten zeigen, dass wir besser sind als im Pokalfinale“, erzählt Zietz, die beim 3:0 gegen Wolfsburg den ersten Treffer erzielte.

In einem Gartenlokal steckte sich Nationalspielerin Anja Mittag acht Tage nach dem 0:7 im Pokalendspiel gegen Duisburg die Siegerzigarre an. Trainer Bernd Schröder, 67 Jahre alt und seit 38 Jahren bei Turbine, dankte zu Tränen gerührt „dem Fußballgott“ und verkündete im Überschwang der Gefühle: „Im nächsten Jahr wollen wir in Madrid das Finale der Champions League bestreiten.“ Am 20. Mai 2010 wird es stattfinden, zwei Tage vor dem Männerfinale. Eine faszinierende Vorstellung ist es für Zietz, dass sie im Bernabeu-Stadion auflaufen könnte, „wo schon Zidane gespielt hat und andere Fußballgrößen“. Sie schiebt aber schnell nach: „Das Finale ist nicht das Ziel, aber wir wollen weit kommen.“

Dass Potsdam zumindest von Madrid träumen darf, hat der Verein der Reformierung und Aufwertung des internationalen Wettbewerbs zu verdanken. Die Champions League, die erstmals ausgetragen wird, ersetzt den Uefa-Cup. Das Finale wird nicht mehr mit Hin- und Rückspiel ausgetragen, sondern in nur einer Partie am selben Ort wie das Männerendspiel. Aus Deutschland sind Potsdam, der FC Bayern sowie Uefa-Cup-Sieger FCR Duisburg dabei. Als Bundesligazweiter hätte Turbine, der Uefa-Cup-Sieger 2005 und -Finalist 2006, in die Qualifikation gemusst, als Meister steigt der Klub erst in die Runde der besten 32 ein.

Zum Erfolg sollen auch die Neuzugänge beitragen, „vier Top-Spielerinnen“, wie Schröder sagt. Weltmeisterin Fatmire Bajramaj kommt ebenso aus Duisburg wie U-23-Nationalspielerin Corina Schröder und die U-19-Europameisterinnen Nadine Kessler und Josephine Henning vom Zweitligisten 1. FC Saarbrücken. Dagegen werden Ersatztorhüterin Gaelle Thalmann (zum HSV) und Essi Sainio (nach Stockholm) den Klub verlassen. Bevor es so weit ist, wird kräftig gefeiert. Auf Mallorca, ohne Bernd Schröder, den alten Mann an der Seitenlinie.

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