Turbine Potsdam : Wie Bayern in Barcelona

Die Fußballerinnen von Turbine Potsdam sind nach dem 0:7-Debakel im Pokal-Endspiel gegen den FCR Duisburg fassungslos.

Helen Ruwald

Der Stadionsprecher machte die Sache nur noch schlimmer. „Es gibt sicher auch Riesenbeifall für Turbine Potsdam“, rief er, bevor die Verliererinnen DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainerin Silvia Neid die Hand schütteln mussten, ehe sie sich in die Katakomben des Olympiastadions flüchten konnten. Die Aufforderung zum Applaus muss wie Hohn geklungen haben, allenfalls hätte man die Spielerinnen dafür beklatschen können, dass sie die 90 Minuten im DFB-Pokalfinale durchhielten und nicht Reißaus nahmen beim unglaublichen 0:7 (0:2) gegen den FCR Duisburg. Und das in einem Spiel, in dem es keinen Favoriten gegeben hatte.

„Das Ergebnis war in dieser Höhe nicht unverdient“, musste Potsdams Trainer Bernd Schröder zugeben. Seine Mannschaft, die einen Altersdurchschitt von rund 20 Jahren hat, sei nicht mehr in der Lage gewesen „sich da rauszuziehen. Da kann man von draußen machen, was man will. Viele Spielerinnen haben sich aufgegeben.“ Damit, findet Schröder, liege sein Team sogar im Trend: Gleiches sei den Bayern in Barcelona, Hertha in Karlsruhe oder Cottbus gegen Nürnberg widerfahren, alle hätten sich in die Niederlagen gefügt und aufgegeben.

„Wir wussten nicht mehr, wo oben und unten ist“, gab Nationalspielerin Jennifer Zietz zu. Anja Mittag war fassungslos: „Sieben Tore, und das in einem Highlightspiel, das ist unvorstellbar“, sagte sie. Im schlimmsten Fall kann ihre psychisch angeknackste Mannschaft in dieser Woche alles verspielen. Verliert der Dritte Duisburg heute beim Tabellenführer FC Bayern, ist Potsdam als Zweiter auf jeden Fall für die Champions League qualifiziert. Setzt sich der Duisburger Rausch aber fort, wird der letzte Bundesligaspieltag über Platz zwei entscheiden. „Gegen Wolfsburg wird sich dann zeigen, ob wir das Format für die Champions League haben“, sagte Schröder. Und ob Turbines Spielerinnen, die sogar noch eine theoretische Titelchance haben, sich wieder echten Beifall verdienen.

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