Turn-EM : Hambüchen gewinnt Silber im Mehrkampf

Fast wäre es Gold geworden: Fabian Hambüchen ist bei der Turn-EM in Amsterdam im Mehrkampf auf Rang zwei gelandet. Besser war nur der Russe Maxim Dewjatowski.

Amsterdam - Fabian Hambüchen hat am Samstag bei den Turn-Europameisterschaften den ganz großen Mehrkampf-Coup verpasst. Der 19 Jahre alte Gymnasiast musste in Amsterdam in einem spannenden Kampf mit 89,675 Punkten dem Russen Maxim Dewjatowski (90,250) den Vortritt lassen, erkämpfte aber als zweiter Deutscher nach Eberhard Gienger 1975 EM-Silber im Mehrkampf.

Konzentriert bis in die Zehenspitzen nahm der Abiturient den Wettkampf in Angriff und ließ sich auch vom Favoriten-Druck nach dem Gewinn der Qualifikation am Vortag lange Zeit nicht verrückt machen. Nachdem er nach vier Geräten noch souverän mit 1,2 Punkten in Führung lag, sah er schon wie der Sieger aus. Doch am Seitpferd fiel dann die Entscheidung zu seinen Ungunsten. Während Dewjatowski mit einer Glanz-Übung bestach (14,925), misslang Hambüchen nach schwungvoller Übung der Abgang. Die Abzüge kosteten ihn Gold und auch die Ehre, als erster Deutscher in der 52-jährigen Geschichte der Europameisterschaften den Mehrkampf zu gewinnen.

"Aber ich freue mich trotzdem"

"Das war ein Hammer-Wettkampf, vor allem deshalb, weil meine beiden schlechteren Geräte am Schluss kamen. Am Pferd haben sie mir drei Zehntel zu viel abgezogen", sagte Hambüchen. "Aber ich freue mich trotzdem auch über Silber: Schließlich habe ich zum zweiten Mal nach der WM bewiesen, dass ich zu den besten Mehrkämpfern der Welt gehöre. Aber natürlich war heute mehr drin", sagte er.

Glanzstück seines von vielen deutschen Fans bejubelten Auftritts war einmal mehr seine Reck-Übung, die er wie tags zuvor perfekt darbot und die mit 15,400 Punkten belohnt wurde. Er gilt nun am Sonntag auch als Mit-Favorit auf die Goldmedaille an seinem Spezialgerät. Nach dem Reck übernahm er erstmals die Führung, die ihm für die Boden-Übung förmlich Flügel verlieh. Mit 15,225 Punkten wurde er dort ebenso wie am Barren (15,200) noch höher eingestuft als am Vortag. Die beiden schwächeren Geräte erwiesen sich dann aber schließlich als Knackpunkte.

Robert Juckel auf Rang 13

Titelverteidiger Rafael Martinez - in der Qualifikation Zweiter hinter Hambüchen - kam im Klassement hinter dem Russen Juri Rjasanow nur auf den vierten Platz. Der Spanier hatte sich mit einer verpatzten Boden-Reihe vorzeitig aus dem Kreis der Titelkandidaten verabschiedet. Dem Cottbuser Robert Juckel misslang der Sprung. Er verpasste damit sein Ziel, unter die Top 10 zu kommen und landete auf Platz 13.

Zuvor hatte Altmeisterin Oksana Tschussowitina mit Platz sechs für das beste EM-Mehrkampf-Resultat deutscher Turnerinnen seit 22 Jahren gesorgt. Die 31 Jahre alte Wahl-Kölnerin verpasste mit 57,450 Punkten allerdings durch einen Absteiger am Balken sogar eine noch bessere Platzierung. Europameisterin wurde vor 5000 Zuschauern im ausverkauften RAI-Kongress-Zentrum Top-Favoritin Vanessa Ferrari aus Italien. Mit 61,075 Punkten deklassierte die 16 Jahre alte Weltmeisterin die Konkurrenz eindeutig.

Tschussowitina will Gold im Springen

"Der Fehler am Balken war nicht mehr so schlimm, denn am Ende ist es egal, ob ich nun Fünfte oder Sechste geworden bin", sagte Tschussowitina gelassen. "Für mich ist das Sprungfinale am Sonntag wichtiger." Dann greift sie bei ihren ersten Europameisterschaften - vor Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft im Vorjahr war sie als Usbekin nicht startberechtigt - nach Gold.

"Zwei Turnerinnen unter den Top 10 - das ist ein Ergebnis, mit dem ich zuvor nie gerechnet hatte", sagte Cheftrainerin Ulla Koch zufrieden. Team-Youngster Anja Brinker konnte zwar ihren fabelhaften fünften Platz aus der Qualifikation nicht bestätigen, war aber vor allem über ihre Barren-Darbietung glücklich, für die sie mit 15,500 die dritthöchste Wertung des Tages erhielt. "Da hat alles gestimmt", sagte die 16-Jährige, die nach einem Patzer am Balken von Platz 23 ihre Aufholjagd starten musste und schließlich noch auf dem zehnten Rang (56,025) landete. (Von Frank Thomas, dpa)

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