Turn-WM : Deutsche Frauen verpassen Teamfinale

Die deutschen Turnerinnen haben bei den Weltmeisterschaften in Nanning einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Nach einem schlechten Vorkampf verpasste der EM-Vierte das Teamfinale. Lisa-Katharina Hill erlebte hingegen die Sternstunde ihrer Karriere.

Sophie Scheder wollte gar nichts mehr sagen, die anderen Turnerinnen schlichen mit hängenden Köpfen schon zwei Stunden vor dem Ende des Vorkampfes betroffen aus dem Guangxi Sports Center von Nanning. Nach überraschend schlechten Leistungen in den frühen Morgenstunden hatten die Deutschen neun Stunden lang um den Einzug in das Team-Finale gebangt. Doch am Abend beendete Australien mit einer starke Leistung vorzeitig den deutschen Traum. „Das hatten wir uns ganz anders erhofft. Alle sind total traurig“, sagte Elisabeth Seitz und brachte die miese Stimmung auf den Punkt.

Cheftrainerin Ulla Koch hatte zu diesem Zeitpunkt schon verbittert einen Spaziergang durch den Sportpark von Nanning unternommen. „Ich musste einfach den Kopf ein wenig frei bekommen“, begründete sie. „Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht.“ Das mit Abstand stärkste Team der Qualifikation stellte Titelverteidiger USA (235,038). Die deutschen Turnerinnen waren unterdessen im ersten Durchgang des Tages mit der frühen Morgenstunde überhaupt nicht zurecht gekommen. Unglaubliche sechs Stürze in 20 Übungen waren einfach zu viel.

Im Gegensatz zu ihren Teamgefährtinnen erlebte Lisa-Katharina Hill eine Sternstunde ihrer Karriere. Als einzige Deutsche turnte sie an allen vier Geräten fehlerfrei und erreichte mit 55,233 Punkten sicher das Mehrkampf-Finale. „Das war ziemlich cool“, meinte sie schmunzelnd. Ihr Glanzstück lieferte die Stuttgarterin am Stufenbarren ab. Für die perfekte Darbietung ihrer mit Schwierigkeiten gespickten Übung erhielt sie 15,10 Punkte und durfte vor dem Schlussdurchgang als einzige Deutsche auf den Einzug in die Gerätefinals am Wochenende hoffen.

„Das war heute nahezu perfekt, ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte die 22-Jährige, die bisher Platz sechs bei der EM 2012 als bestes Ergebnis verbuchte. „Ich bin überglücklich“, sagte sie und wischte sich unmittelbar nach dem Wettkampf ein paar Freudentränen aus den Augen. Stunden später trauerte sie dann aber mit dem Team.

„Meine Freude ist jetzt arg getrübt. Wir wussten, dass Australien und Frankreich uns noch verdrängen könnten. Leider ist das nun passiert.“ Hingegen erfüllten sich vor allem am Balken die Hoffnungen der deutschen Riege mit drei vorzeitigen Abstiegen nicht. „Ich kann mir nicht alle Fehler erklären, aber ich will die Mädels jetzt nicht kritisieren. Sie wollten zeigen, dass sie eine gute Mannschaft sind“, meinte Ulla Koch. Eine detaillierte Analyse werde es erst am nächsten Morgen geben, kündigte die Cheftrainerin an. „Der Druck war da. Wir waren sehr aufgeregt, und auch die Uhrzeit war für uns neu. Ich bin heute um 4.45 Uhr aufgestanden“, sagte die WM-Fünfte Sophie Scheder nach ihrem verpatzten Wettkampf und suchte nach Gründen für die schlechten Leistungen.

Mit trauriger Miene verließ auch Pauline Schäfer das Podium, obwohl ihr zuvor bei ihrem Seitwärtssalto mit halber Drehung eine Weltpremiere gelungen war. Das Element wird künftig als „Schäfer-Salto“ in das Regelwerk eingehen. Doch als sie nach ihrer Kreation das Gerät verlassen musste, waren die Finalchancen der 17-Jährigen dahin. (dpa)

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