Turn-WM : Hambüchen ist Weltmeister

In seiner Paradedisziplin Reck hat Fabian Hambüchen die lang ersehnte Goldmedaille geholt. Dies bedeutet die erste deutsche Goldmedaille seit zehn Jahren. Ein traumhafter Erfolg.

Hambüchen
Strahlender Weltmeister. An seinem Paradegerät Reck hat Turner Florian Hambüchen das erste Gold für Deutschland seit 10 Jahren...Foto: dpa

StuttgartEin nervenstarker Fabian Hambüchen hat das deutsche Herbst-Märchen mit Turn-Gold veredelt und bei den Weltmeisterschaften im Stuttgart den ersehnten Titel am Reck geholt. Als letzter Starter dieser WM behielt der Favorit aus Wetzlar die Ruhe und gewann mit der schwierigsten Übung weltweit. 8000 Zuschauer in der ausverkauften Schleyer-Halle bejubelten den ersten deutschen WM-Titel seit Valeri Belenki 1997 am Seitpferd. "Das war der Knaller am Reck und es ist ein absolut schönes Gefühl", sagte der junge Turn-König, der seine Favoritenrolle bravourös angenommen hatte.

Der jüngste und zugleich 13. deutsche Weltmeister überhaupt lag mit 16,250 Punkten klar vor Aljaz Pegan (Slowenien/15,825)
und dem Japaner Hisashi Mizutori (15,775). "Die ganze WM war wie ein Traum. Jetzt habe ich den Medaillen-Satz komplett. Ich bin überglücklich", sagte Hambüchen in die Fernseh-Kameras. Am Sprung belegte der Reck-Europameister von 2005 und 2007 zudem Platz sechs.

Hambüchen setzte die deutsche Erfolgsserie am Reck fort. Nach Ernst Winter 1934, Eberhard Gienger 1974, Ralf Büchner 1991 und Andreas Wecker 1995 ist er der fünfte deutsche Weltmeister am Königsgerät. Mit 7,0 hatte der Abiturient den höchsten Ausgangswert aller WM-Teilnehmer und turnte auch bei seiner vierten Übung in Stuttgart fehlerfrei. "Grandios, wie er einen solchen Druck mit dieser Sicherheit standgehalten hat", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach.

Mit je ein Mal Gold, Silber und Bronze verbuchte der Deutsche Turner-Bund (DTB) seine erfolgreichste WM seit 1991. Hambüchen ist zudem der erste deutsche Turner überhaupt, der bei der WM einen kompletten Medaillensatz verbuchen konnte. Der Vizeweltmeister im Mehrkampf führte zudem die deutsche Herren-Mannschaft zu Platz drei. "Diese WM war ein Quantensprung", sagte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam stolz.

Auch ohne Medaille zeigten die deutschen Turnerinnen ihr großes Potenzial. Die 16-jährige Marie-Sophie Hindermann (Tübingen) überzeugte als gute Fünfte am Stufenbarren. "Das war Weltklasse", lobte Cheftrainerin Ulla Koch die Übung der Schülerin, die mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr von der Wertigkeit her aufgestockt werden soll. "Ich denke nicht, dass die anderen weit weg sind, aber schon noch ein Stück. Ich werde noch was drauf packen, dann sieht das vielleicht anders aus", sagte Hindermann zufrieden. Enttäuscht war hingegen Mitfavoritin Oksana Tschussowitina nach ihrem sechsten Platz am Sprung. "Ich wollte hier eine Medaille", sagte die 32 Jahre alte Kölnerin, die im Vorjahr noch Platz drei belegt hatte. Doch wegen andauernder muskulärer Probleme konnte die gebürtige Usbekin wochenlang nur eingeschränkt trainieren.

Erfolgreichste Nation war China mit insgesamt fünf Titeln, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze vor den USA (4/2/1) und Deutschland (1/1/1), während die Japaner überraschend keinen Titel gewannen. Die Chinesin Fei Cheng erreichte am Sprung ebenso ihren dritten WM-Titel nacheinander wie Landsmann Xiao Qin am Pauschenpferd. Chen Ybing an den Ringen, komplettierte die Goldserie der Olympia-Gastgeber von 2008. Die weiteren Titel gingen an Diego Hypolito (Brasilien/Boden), Xenia Semenowa (Russland/Stufenbarren), Leszek Blanik (Polen/Sprung), Anastasia Liukin (Schwebebalken) und Shawn Johnson (Boden), die nach dem Mehrkampf und der Mannschaft mit drei WM-Titeln erfolgreichste Turnerin war. Am Barren teilten sich Mitja Petkovsek (Slowenien) und der Südkoreaner Kim Dae Eun den Sieg.

Für den DTB war die zweite WM in Stuttgart nach 1989 ein voller Erfolg. Insgesamt 80 000 Zuschauer strömten in die Schleyer-Halle, auch die Medaillenzeremonien am Schlossplatz in Stuttgarts Zentrum waren ein Erfolg. "Das gibt uns einen erheblichen Schub nach vorn", sagte DTB-Präsident Rainer Brechtken und Männer-Bundestrainer Rainer Hirsch, dessen Vertrag ebenso wie der seine Kollegin Ulla Koch vorzeitig bis 2012 verlängert werden soll, meinte: "Das hat gepasstund Spaß gemacht." (mit dpa)

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