Sport : Turnen auf billiger Matte

Robert Ide

Nach der Sparklausur des Berliner Senats werden die Auswirkungen für den Sport immer deutlicher. Die von der rot-roten Koalition geplante Reduzierung der Sportförderung um etwa 25 Prozent erfordert harte Einschnitte. Der Landessportbund will nun die Zahl von 20 Schwerpunkt-Sportarten auf maximal zwölf reduzieren. Zudem sollen mehrere Groß-Veranstaltungen nicht mehr gefördert werden.

Das Präsidium des Landessportbundes (LSB) hat bereits eine Streichliste erstellt. "Wenn wir bei allen sparen, verfallen wir ins Mittelmaß", sagte LSB-Vizepräsident Dietrich Gerber am Mittwoch, "deshalb müssen wir an leistungsschwache Sportarten rangehen." Demnach können Eiskunstlauf, Turnen, Gewichtheben, Handball, Schießen und Wasserball keine Zuschüsse mehr erwarten. Die strukturelle Förderung weiterer Sportarten wie Fechten, Boxen, Volleyball, Judo oder Tischtennis sei fraglich. Bei guten Leistungen sei nur noch eine punktuelle Unterstützung einzelner Sportler möglich.

Die Senkung der Sportförderung auf jährlich zehn Millionen Euro bedeutet eine Einsparsumme für den Berliner Sport von isgesamt 2,8 Millionen Euro. "Wo sollen wir das kurzfristig hernehmen?", fragte Landessportbund-Direktor Norbert Skowronek hilflos. Vorgesehen sind nun Kürzungen bei Großveranstaltungen. Von 66 sportlichen Höhepunkten sollen nur wenige wie etwa der Berlin-Marathon und das Istaf der Leichtathleten ausgenommen werden. Die Finanzierung anderer Wettbewerbe wird bis zum heutigen Donnerstag überprüft. So muss der 25-Kilometer-Lauf - bisher mit etwa 40 000 Euro unterstützt - um Fördergelder bangen, gleiches gilt für die Deutschen Meisterschaften im Eisschnelllauf, der Länderpokal im Eiskunstlauf oder das Fechtturnier "Weißer Bär". Laut Senatsbeschluss müssen zusätzliche Aufwendungen künftig an anderer Stelle eingespart werden. Allein die diesjährigen Schwimm-Europameisterschaften und die Finalrunde der Volleyball-WM kosten 1,8 Millionen Euro - das Geld fehlt nun anderen.

Beschlossen ist bereits die Schließung des Landesinstituts für Sportmedizin. Wie berichtet, konnte im Gegenzug die Förderung von Bundesliga-Vereinen aus Gewinnen der Berliner Spielbank gesichert werden. Die Mittel, insgesamt 1,5 Millionen Euro, sollen nun transparent durch den Landessportbund verteilt werden. Dass auch Profivereine wie Basketball-Bundesligist Alba Berlin weiter unterstützt werden, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

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