TURNEN : Blockade im Kopf

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Augen zu und raus. Philipp Boy war seiner Mannschaft wegen einer Fußverletzung keine große Hilfe.Foto: dapd
Augen zu und raus. Philipp Boy war seiner Mannschaft wegen einer Fußverletzung keine große Hilfe.Foto: dapdFoto: dapd

London - In den Momenten nach dem Wettkampf hatte kaum einer den Eindruck, Philipp Boy habe noch Spaß an seinem Sport. Der Turner aus Cottbus stand da, hatte die Hände in den Taschen seiner Trainingshose vergraben und spielte nachdenklich mit einem seiner Badeschuhe. „Ich war der, der die Fehler gemacht hat“, sagte Boy. Er stand da mit gesenktem Kopf und zog eine ernüchternde persönliche Olympia-Bilanz, nachdem er zuvor die Einzelfinals verpasst hatte. „Da ist mehr im Herzen und im Kopf kaputt gegangen“, sagte Boy im Hinblick auf seine Fußverletzung, die er mit in den Team-Wettbewerb gebracht hatte. „Ich habe meinen Traum zerstört“, sagte Boy. „Wir hatten alles dafür getan, dass es dem Fuß besser geht. Mein Start stand bis gestern auf der Kippe.“ Seit Monaten habe er eine Blockade im Kopf, „die ich nicht lösen kann, das hat mich fertig gemacht.“

Dicke Patzer des Cottbusers an Pferd und Reck hatten dazu beigetragen, dass die weiteren deutschen Turner, Fabian Hambüchen, Marcel Nguyen, Andreas Toba und Sebastian Krimmer, im Mannschafts-Finale in der North Greenwich Dome weit abgeschlagen von den Medaillenplätzen auf dem siebten Rang landeten. 2008 in Peking hatten sie mit Platz vier Bronze knapp verpasst. In London 2012 waren sie chancenlos.

China holte sich nach 2000 und 2008 bereits zum dritten Mal Gold – vor Japan und den starken Briten. Die Gastgeber hatten frenetisch eine Silbermedaille gefeiert, mussten sich dann aber doch nur mit Bronze begnügen. Ein Protest der Japaner gegen die Wertung des Abschluss-Elements von Kohei Uchimura hatte Erfolg: Die Ukraine musste ihre Bronzemedaille an das „Team GB“ abgeben, und Japan rückte auf Rang zwei vor. Ohne Medaille blieben die favorisierten USA, die sich zu viele Patzer leisteten.

Da konnte Philipp Boy locker mithalten, während Fabian Hambüchen eine tadellose Leistung ablieferte und von Ärger im Team nichts wissen wollte. „Jeder macht Fehler, wir sind alle Menschen“, sagte Hambüchen. „Mit meiner Leistung war ich sehr zufrieden. Ich habe noch zwei Chancen bei Olympia“, so der Reck-Spezialist. Hambüchen und Boy gelten nicht gerade als Freunde, und so vergaß Boy Hambüchens nächste Wettkämpfe zu erwähnen, als er ankündigte, in London bleiben zu wollen, um andere deutsche Starter anzufeuern. Oliver Trust

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