Sport : Turnen: Husten mit Folgen

Keine Gnade für Olympias Turnkönigin Andrea Raducan: Zwei Tage vor ihrem 17. Geburtstag musste die Mannschafts-Olympiasiegerin von Sydney ihre im Einzelmehrkampf gewonnene Goldmedaille wegen der Einnahme einer verbotenen Substanz wieder abgeben. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) lehnte einen Einspruch des Nationalen Olympischen Komitees Rumäniens gegen die Disqualifikation durch das Exekutiv-Komitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Donnerstag ab.

"Das Gremium war sich der Bedeutung seiner Entscheidung gegenüber dieser jungen Athletin bewusst, aber es liegt nach den Regeln ein Dopingfall vor. Alter oder Gewicht des Mädchens sind dabei für uns völlig irrelevant", begründete CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb die Entscheidung der drei Juroren aus der Schweiz, den USA und Australien, die am Mittwoch mehr als vier Stunden lang eine Anhörung aller Beteiligten durchgeführt hatten.

Raducan war nach der Entscheidung im Einzelmehrkampf positiv getestet wurden. Ihr Urin enthielt eine unzulässig hohe Konzentration von Pseudo-Ephedrin, ein verbotener Wirkstoff, der in dem Medikament Nurofen enthalten ist. Mannschaftsarzt Ioachin Oana, der der jungen Patientin zwei Grippetabletten verabreicht hatte, wurde bis 2004 gesperrt.

Rumäniens NOK-Präsident Ion Tiriac war "bitter enttäuscht" und kündigte den Rücktritt von seinem Amt an: "Athleten, die das IOC als Dopingsünder verurteilt, werden in Rumänien automatisch lebenslänglich gesperrt. Diese Entscheidung kann ich im Fall Andrea Raducan nicht treffen. Ich könnte ihr dann nie mehr in die Augen sehen und werde mich deshalb zurückziehen." Der NOK-Chef witterte sogar Intrigen gegen sein Heimatland. "Vielleicht stört es manche, dass das kleine Rumänien so viele Goldmedaillen gewonnen hat", spekulierte Tiriac, für den der Lapsus des Mannschaftsarztes verzeihlich ist: "Wir haben nicht das Geld, dauernd alle Medikamentenlisten auf den neuesten Stand zu bringen."

Andrea Raducan will in den kommenden Jahren beweisen, dass sie die wahre Olympiasiegerin ist: "Ich bin mit mir im Reinen und habe alles richtig gemacht." Behalten darf sie ihre Goldmedaille aus dem Mannschafts-Wettbewerb, nach dem sie nicht getestet worden war. Neue Mehrkampf-Olympiasiegerin ist nunmehr Teamkollegin Simona Amanar, Silber geht an Weltmeisterin Maria Olaru (ebenfalls Rumänien), die Chinesin Liu Xian erhält Bronze. Amanar nahm die Medaille allerdings nur entgegen", weil es eine rumänische ist. Die wahre Siegerin ist und bleibt Andrea."

In Rumänien löste die Nachricht aus dem fernen Australien Massenproteste aus. Bei einer spontanen Demonstration in Bukarest trugen mehrere Tausend Menschen Spruchbänder mit der Losung: "Andrea, das ganze Land ist auf deiner Seite."

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