Turnier in Hamburg : Gefährliches Glücksspiel am Rothenbaum

Wie Michael Stichs Wahl eines umstrittenen Sponsors die Existenz des Hamburger Tennisturniers gefährdet.

Anke Myrrhe
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Michael Stich (mit Hamburgs Sozialsenator Dietrich Wersich bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.)Foto: dpa

Berlin - Zehn Jahre ist es her, dass das Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum seinen letzten Titelsponsor hatte. Seitdem ging es für das Traditionsturnier nur noch bergab. Am Ende einer Liste von Negativmeldungen stehen der Verlust des Masters-Status, die Verlegung in den weniger attraktiven Juli und finanzielle Schwierigkeiten, die das Turnier an den Rand einer Insolvenz bringen könnten. Umso stolzer präsentierte der neue Turnierdirektor Michael Stich am Dienstag einen neuen Titelsponsor: den privaten Wettanbieter bet-at-home.com mit Lizenz in Österreich – rund 250 000 Euro soll er zum Turnier beisteuern. Doch nun droht die Stadt Hamburg nicht nur damit, den Sponsor rechtlich verbieten zu lassen, sondern auch die zugesicherte Unterstützung in Höhe von 200 000 Euro zurückzuziehen.

Stich reagierte überrascht und verärgert. „Ich mache das, weil ich einen Sponsor brauche“, sagt der frühere Wimbledonsieger. „Über alles andere habe ich mir keine Gedanken gemacht.“ Bei der Hamburger Behörde für Kultur, Sport und Medien zeigte man sich wiederum gänzlich überrascht von der Überraschung des Turnierdirektors. Sprecher Kai-Uwe Inselmann bestätigt, seine Behörde habe Stich in mehreren Gesprächen die Bedenken gegen einen solchen Sponsor geäußert. Auf den ersten Blick scheint die Behörde auch im Recht: Der Glückspielstaatsvertrag aller Bundesländer verbietet seit Januar 2008 Banden- und Trikotwerbung für Wettanbieter in Deutschland in Verbindung mit einer Fernsehübertragung.

Bei näherem Hinsehen fällt dem aufmerksamen Sportfan jedoch auf, dass beim Tennisturnier in Stuttgart der Hamburger Kandidat bet-at-home.com genauso von den Banden lächelt wie in der Halle der Eishockeymannschaft Nürnberg Ice Tigers. „Wir haben mit unserem Sponsor bisher keine rechtlichen Probleme gehabt“, bestätigt Lorenz Funk jr., Nürnbergs Manager. Grundlage dafür ist die Skepsis der Europäischen Kommission gegenüber staatlichen Glücksspielmonopolen – wie es in Deutschland durch den Glücksspielstaatsvertrag untermauert wurde. „Bis es eine klare Entscheidung vom Europäischen Gerichtshof gibt, entscheidet jedes Gericht selbst, wie es mit dem Staatsvertrag umgeht“, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Rechtsexperte für Glücksspiel Martin Jaschinski.

So kommt es derzeit zu gegensätzlichen Entscheidungen. Auch in Hamburg ist der Ausgang offen. Die Rücknahme der 200 000 Euro Fördergelder sei nur eine Option, sagt Kai-Uwe Inselmann, der mit einer Entscheidung schon in der kommenden Woche rechnet. Einige Urteile des zuständigen Oberverwaltungsgerichts Hamburg der vergangenen Jahre lassen aber auf eine Nichtzulassung des Sponsors deuten. Bet-at-home.com-Vorstand Jochen Dickinger kündigt schon jetzt an, notfalls gerichtlich bis zur letzten Instanz gehen zu wollen.

Dabei scheinen letztlich alle dasselbe Ziel zu haben: Das Traditionsturnier in Hamburg zu halten. Deswegen zweifelt derzeit auch niemand daran, dass es wie geplant vom 20. bis zum 26. Juli stattfinden wird – wenn auch deutlich schlechter besetzt als in den vergangenen, privilegierten Jahren mit Masters-Status. Die Hoffnung der Veranstalter, durch den neuen Sponsor langfristig eine Abkehr von den Negativschlagzeilen um das Turnier zu schaffen, wurde nun erst einmal gebremst. Wie er den Etat von rund 3,5 Millionen Euro ohne den neuen Sponsor stemmen will, davon möchte Stich zurzeit gar nicht sprechen: „Noch ist ja nichts eingetreten und wir haben auch keinen Plan B.“ Vielleicht wird es Zeit, den zu entwickeln. Anke Myrrhe

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