Sport : Turnschuhe verboten

Über das Wesen der Amateurprüfung – am Beispiel Mariendorf

Heiko Lingk

Berlin. Die Bezeichnung Amateur ist im Pferdesport ein zwiespältiger Begriff. Zum einen suggeriert er Spaß als Hauptzweck des sportlichen Tuns, zum anderen deutet er ein Leistungsdefizit zu den Profis an. Bei den Sulkyfahrern stimmt das längst nicht mehr. Der Trabrennsport lebt nicht von Profis, sondern vorrangig von passionierten Pferdebesitzern. Der Anteil der Rennen, die als Amateurprüfungen gefahren werden, wächst stetig.

Das Fritz-Brandt-Rennen am Karfreitag in Mariendorf ist ein solches Rennen, wenngleich in dem Klassiker, der 1933 das erste Mal ausgetragen wurde, nur die routiniertesten Amateure antreten. Die Anfängerphase haben sie längst hinter sich gelassen. Dies beginnt zunächst mit einer Prüfung. Jeder Neuling muss unter den argwöhnischen Augen der Rennleitung fünf Testfahrten absolvieren und beweisen, dass er seinen Traber über den Kurs steuern kann. Danach folgt ein theoretisches Examen. Dabei geht es weniger um die Vorfahrt auf der Bahn, die hat sowieso der Schnellste. Es geht um das Regelwerk: Welche Maßnahmen muss ein Fahrer ergreifen, wenn sein Pferd plötzlich galoppiert? Wie oft darf er Gebrauch von der Peitsche machen? In der Rennordnung ist alles bis ins Detail geregelt. Sogar die Farbe des Schuhwerks ist festgelegt – braune Lederstiefeletten müssen es sein. Wer mit Turnschuhen in den Sulky steigt, wird disziplinarisch bestraft.

Die Teilnehmer des Fritz-Brandt-Rennens können über solche Dinge nur schmunzeln. Ab 13.30 Uhr kämpfen Weltrekordler wie die 24-jährige Marie Lindinger aus Bayern, die 2002 mit 139 Siegen eine einsame Bestmarke für Amazonen erzielte, gegen Berliner Newcomer wie Katharina Merz. Nicht weniger als 52 Gespanne streiten um den Sieg. Sollte übrigens Merz gewinnen, wird wohl doch ein Unterschied zwischen den Profis und den Amateuren deutlich: Während sich die Berufsfahrer nach ihren Siegen gern ausgiebig in der Öffentlichkeit feiern lassen, hält sich die schüchterne Amazone nur kurz im Kreis der Sieger auf. Sie kehrt lieber rasch in den Stall zurück, um sich um ihr Pferd zu kümmern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben