• Tusem Essen rückt Kiel, Flensburg und Lemgo auf den Pelz - schon auf Rang sieben in der Handball-Bundesliga

Sport : Tusem Essen rückt Kiel, Flensburg und Lemgo auf den Pelz - schon auf Rang sieben in der Handball-Bundesliga

Rainer Fülscher

Der aktuelle Deutsche Meister THW Kiel schwächelt und zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Altmeister Tusem Essen (14:6 Punkte) gewinnt unter Trainer Jörn-Uwe Lommel nach über einjähriger Fronarbeit langsam an Format, um dem Handball-Bundesliga-Dreigestirn mit Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt (16:2) sowie den punktgleichen Teams von Kiel und TBV Lemgo (je 15:3) Paroli zu bieten. "Wir haben einfach Glück gehabt und Kiel zum richtigen Zeitpunkt auf dem falschen Fuß erwischt", freute sich Lommel nach dem 24:20-Heimsieg am Mittwochabend gegen die von Champions League und Bundesligastress gebeutelten Kieler, die nach 24 Pflichtspielen auf allen Ebenen die erste Niederlage der Saison überhaupt kassierten, nachdem sie noch am Sonntag in Montpellier ihren Auftaktsieg in der europäischen Königsklasse gefeiert hatten.

"Das war erst der Anfang einer Serie von 17 Spielen bis zum 2. Januar, in der uns keine Pause zum Luftholen gegönnt wird", meinte Kiels Manager Uwe Schwenker nach der Rückkehr am Donnerstag um 5.00 Uhr morgens an die Kieler Förde. "Wir sind eben keine Übermannschaft, die per Rotationsprinzip solchen Belastungen ausweichen kann. In der Champions League verdient man nicht so viel Geld, Weltklassepersonal fast unbeschränkt zur Verfügung zu haben wie zum Beispiel der FC Bayern München im Fußball."

Der Manager hat immer jegliche Kritik an seinen "Alten Schweden" wie den 35-jährigen Weltmeistern Staffan Olsson oder Magnus Wislander abgewehrt, weil sie Top-Leistungen gebracht haben, um den THW Kiel zum Deutschen Meister zu machen. Wislander war mit fünf Toren auch in Essen noch bester Kieler, sein Landsmann kam auf drei Treffer. Oder Schwenker hat einen wie den Rückraumriesen Nenad Perunicic in Schutz genommen, wenn der Jugoslawe wie gegen den 40 Jahre alten Essener Torwart-"Oldie" Stefan Hecker von acht Versuchen nur ein Feldtor zu Stande brachte. Schwenker meint dazu: "Nenad hat gegen Hecker immer eine Blockade, das war auch diesmal wieder der Fall." Stefan Hecker parierte 18 Würfe und einen Siebenmeter. Das war spielentscheidend.

Alte Klagen, altes Leid in Kiel. Tiefes Durchatmen in Essen. Zu Beginn der vergangenen Saison hatte Jörn-Uwe Lommel 1998 an seiner ehemaligen Arbeitsstelle als Spieler den Trainerjob unter dem Essener allgewaltigen Macher Klaus Schorn übernommen. Dort, wo schon Lommels Kollegen wie Olympiasieger Velko Kljaic oder Weltmeister Petre Ivanescu an dem Ego der Spieler und deren schwierigen Charaktereigenschaften gescheitert waren. 1986 gehörte Lommel zum Team, das die vorerst letzte von drei Meisterschaften in die Essener Grugahalle geholt hatte. Ein Jahr hat der akribische Tüftler und Taktiker gearbeitet, um die Probleme in Essen in den Griff zu bekommen.

"Wir sind jetzt an einem Punkt, wo die Harmonie in der Mannschaft zu greifen beginnt. Es läuft noch nicht alles rund, um eine Spitzenmannschaft zu sein. Aber wir haben eine Superabwehr vor Hecker, der in unglaublicher Form und für den Aufschwung hauptverantwortlich ist", betonte Lommel. Dabei vergisst der ehrgeizige Coach nicht, dass auch einer wie Jung-Nationalspieler Volker Michel mit 42 Toren aus den letzten sechs Spielen erheblichen Anteil an der steigenden Form mit 14:6 Punkten bis auf Rang sieben hat. Gegen die Kieler kam er erneut allein auf acht Treffer. "Wenn wir das Niveau konstant über die nächsten vier bis fünf Spiele halten können, sind wir einen großen Schritt weiter", hofft Jörn-Uwe Lommel. In Ruhe arbeiten zu können, wie über zehn Jahre beim TV Niederwürzbach mit dem City-Cupsieg im Europapokal als Belohnung, das wäre für Lommel auch in Essen die Krönung.

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