TV-Kritik : Michael Johnson: "Jetzt mach' mal keinen Quatsch. Ich habe nie gedopt"

Wie Johannes B. Kerner den US-Lauf-Star Michael Johnson im Fernsehen zum Thema Doping ordentlich rannahm. Kein Grund für den Aufstieg in den Moderatorenolymp, aber doch eine Lehrstunde für alle Kollegen. Ein Interviewausschnitt

Man hat Johannes B. Kerner schon viel vorgeworfen. Zu zahm sei der Moderator, zu viel vorauseilender Gehorsam. Wie Kerner allerdings am Donnerstagabend in der Sendung „Olympia Highlights“ Michael Johnson, den mehrfachen Weltrekordhalter  und Leichtathletiktrainer aus den USA, mit dem Thema Doping konfrontierte, war bemerkenswert. Kein Grund für den Aufstieg in den Moderatorenolymp, aber doch eine Lehrstunde für alle Kollegen. Hier ein Interview-Ausschnitt (im Netz unter www.mediathek.zdf.de):

Kerner: Zwei Mitglieder der siegreichen US-400-Meter-Staffel von Olympia 2000 sind des Dopings überführt worden. Können Sie verstehen, dass es kritische Stimmen gibt, die sagen: Ausgerechnet der Schnellste aus der Staffel, Michael Johnson, soll nichts genommen haben?

Johnson: Das ist eine dumme Frage, auf die ich eigentlich nicht antworten möchte. Doping wird’s immer irgendwo im Sport geben. Aber man kann die Frage doch nicht so dumm stellen: Du warst der Schnellste, du musst was genommen haben.

Das ist vielleicht eine unangenehme Frage, aber so richtig dumm finde ich sie nicht.

Jeder, der schnell läuft, muss dann also gedopt sein?

Es gibt einen Mexikaner, der heißt Angel Heredia. Der war als Dopingdealer tätig, ist Kronzeuge der US-Justiz und hat in einem „Spiegel“-Interview Zahlen und Fakten genannt. Der sagt: 44 Sekunden über 400 Meter – das geht nicht.

Johnson: … (guckt völlig entgeistert).

… geht nicht ohne …

Sie zitieren hier jemanden, der was Kriminelles getan hat. Wäre vielleicht nicht unbedingt der Erste, dem ich Vertrauen schenken würde. (Publikum klatscht). Vielen Dank. Und wir sprechen über jemanden, der nicht auf Weltklasseniveau selber einen Wettbewerb bestritten hat.

Er hat mit Weltklasseathleten zusammengearbeitet.

Moment, lassen Sie mich das bitte zu Ende führen. Sehen Sie, Sie stellen mir eine Frage auf der Basis von jemandem, der nie 400-Meter-Läufer war. Warum wollen Sie dem Vertrauen schenken?

Der Mann hat Überweisungsbelege für verschiedene Mittel, die er an eine Reihe von Sportler weitergereicht hat. Der ist aus der Szene, auch wenn er selbst die 400 Meter nicht um die 44, 45 Sekunden gelaufen ist (...) Ich wäre übrigens vom Herzen her gerne bei Ihnen und würde sagen, da ist einer, der hat Unrechtes getan, warum soll ich ihm glauben? Die Geschichte zeigt allerdings, dass diese Menschen irgendwann als Kronzeugen der Justiz auftreten und in fast 100 Prozent aller Fälle recht haben.

(zögert) Wo ist die Frage?

Meine Frage ist: ob Sie nicht glauben, dass es sein könnte, dass solche Menschen recht haben. Sie misskreditieren ihn dadurch, dass er selbst nie 400 Meter gelaufen ist. Das reicht nicht.

Wenn dieser Heredia sagt, dass er den Sportlern was gegeben hat, kann man ihm Vertrauen schenken. Aber wenn er sagt, 44 Sekunden geht nicht ohne Doping – da hört’s auf mit der Glaubwürdigkeit (…) Da dürften Sie ihn eigentlich auch nicht zitieren.

Okay, wir machen unseren Job, Sie machen Ihren. Wann fällt Ihr 400-Meter-Weltrekord?

Hätte ich eine Kristallkugel (…) Das kann jetzt passieren oder in sieben, acht Jahren.

Ich habe noch eine ganz unwesentliche Frage zum Schluss, aber die ist ganz deutlich: Haben Sie jemals gedopt?

Jetzt mach’ mal keinen Quatsch. Ich habe nie gedopt. Lassen Sie mich eine Frage stellen: Warum ist das immer so, dass man in deutschen Fernsehprogrammen solche Fragen gestellt bekommt? Ich habe keine Probleme damit, Fragen zu Doping zu beantworten. Das ist ein großes Problem im Sport. Aber jedes Mal, wenn ich zum deutschen Fernsehen komme, dann dominiert dieses Thema das Gespräch (…) Warum? Wir sind hier in China, da kann man über viele andere Sachen reden.

Ich stelle mich ja jeder Kritik (...) Aber nur mal ganz kurz festgehalten: Dieses interessante Gespräch hat angefangen mit einer dummen Frage. Dann war die Frage wenigstens nicht so dumm. Lassen Sie mir das.

Aufgezeichnet von Markus Ehrenberg.

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