TV-Kritik : Wenn mit Fernsehreportern die Gäule durchgehen

Unser Fernsehkritiker Bernd Gäbler über Rösser, Reiter und Randsportexperten.

Bernd Gäbler
Hinrich Romeike
Der Star ist das Pferd. Marius (mit Hinrich Romeike).Foto: AFP

Als der „Presseclub“ noch „Internationaler Frühschoppen“ hieß, benahmen sich einige Journalisten aus den USA, Sri Lanka oder Dänemark gelegentlich wie Botschafter ihrer Heimat. Die Vielfalt der Disziplinen führt dazu, dass auch anlässlich der Olympischen Spiele einige Journalisten von zu Hause berichten dürfen. So werden der Pferdenarr und der Riemen-Ruderer, die Judozunge und der hieb- und stichfeste Mensur-Experte auf uns losgelassen. Befreit sprechen sie über das, was sie so sehr lieben.

Und wir erleben, wie unterschiedlich Journalisten ihren Kommunikationsauftrag interpretieren. Einige zeigen penetrant Spezialwissen vor, ergötzen sich an Fachbegriffen und gefallen sich in Manierismen. So ist Carsten Soestmeier (ARD), dessen innige Nähe zu Ross und Reiter schon prämiert wurde, zum nervenden Selbstinszenierer geworden, der es lustig findet, das Sieger-Pferd „Marius“ zu küssen.

Zum Glück sind mit Geert Hermann (ZDF) die Gäule nicht so durchgegangen. Nicht vom Fach war in Hongkong nur die Ex-Schwimmerin Kirstin Otto (ZDF), die im Interview prompt einen Trainer mit dem Goldmedaillen-Reiter verwechselte.

Vom Sumo zum Judo

An der Judo-Matte mühte sich Alexander von der Groeben (ZDF) wenigstens, ab und an, die Fremdwörter für Griffe und Wertungen nicht nur zu benutzen, sondern zu erklären. Als er noch auf Mini-Sendern nachts Sumo-Ringen kommentierte, war das anders: Er verkroch sich in einem japanischen Sprach-Kokon.

Beach-Volleyball ist gar keine leichte Fun-Sportart – diese Botschaft verkündete penetrant Claus Lufen. Ralf Scholt und Tom Bartels (alle ARD) begleiteten das Schwimmen begeistert und kritisch. Zwei Randsportbotschafter überraschten besonders. Sie machten verständlich, was nicht zu sehen ist. Tibor Meingast erklärte den Schießsport. Selbst, wenn man keinen einzigen Treffer erkennen konnte, glaubte man zu begreifen, warum der eine dem anderen überlegen war – so elegant vermittelte Michael Drevenstedt (ARD) das Fechten.

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