Sport : TV-Sender sollen für die Fußballklubs tiefer in die Tasche greifen

Günter Müller

Der lange schwelende Konflikt über die künftige Verteilung der TV-Millionen ist zumindest vorerst beigelegt, seit Wochen halten die Streithähne in der Fußball-Bundesliga schon still. Das Solidarmodell, das der Ligaausschuss am 15. Oktober als Kompromiss verabschiedet hat, steht heute und morgen bei der Vollversammlung der 36 Bundesligisten in Frankfurt (Main) vor der letzten Hürde. Damit scheint aber der Willen zur Einigung ausgeschöpft, denn eine Verselbstständigung der Bundesliga als GmbH und eine stärkere Trennung der Profis von den Amateuren innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheint vom Tisch.

Der Ligaausschuss hat sich lange schwer getan, sich auf einen Vorschlag zu einigen. Künftig soll eine Garantiesumme von elf Millionen Mark (Bundesliga) beziehungsweise fünf Millionen (Zweite Liga) an jeden Klub fließen. Der Rest aus den Zahlungen der TV-Anstalten wird nach der sportlichen Leistung gestaffelt, wie es unter anderen Franz Beckenbauer gefordert hat. Neben einer Drei-Jahres-Wertung fließt noch der aktuelle Tabellenstand in das Rechenmodell mit ein. Unangetastet bleiben die Einnahmen aus dem Europapokal.

Allerdings wird dabei über "ungelegte Eier" geredet, denn niemand weiß zurzeit, wie viel der zweite Teil, der Leistungsteil, wert sein wird. Die TV-Verträge laufen aus. Lediglich Vorgespräche hat es bisher gegeben. Tatsache ist: Die Bundesliga will auf jeden Fall mehr als die 180 Millionen Mark (Free-TV) und die 150 Millionen (Pay-TV) erzielen. Durch die Garantiebeträge sind jährlich schon 288 Millionen Mark verteilt. Die Verantwortlichen träumen aber von Summen wie in Italien und Spanien, die an die Milliarden-Grenze gehen.

Der Vertreter der Kirch-Gruppe, Stefan Ziffzer, hat als Obergrenze die Summe von 500 Millionen Mark genannt. "Nur ein takisches Geplänkel", meinte dazu Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen. Eine schwierige Position hat die Bundesliga auf dem Markt des Pay-TV, da es im Gegensatz zu anderen Ländern mit Premiere nur einen Anbieter gibt. Zum Verdruss der Klubs mehren sich die Anzeichen, dass Australiens Medien-Mogul und tm 3-Besitzer Rupert Murdoch lediglich Geld beim Kirch-Sender Premiere investieren, aber keinen eigenen Sender aufbauen will.

Unklar ist die Situation beim frei zugänglichen Fernsehen. Dort bleibt Sat. 1 im Rennen. Hauptkonkurrent dürfte RTL sein, da die Kölner die Rechte an der Champions League verloren haben. ARD und ZDF sind nach dem kostspieligen Länderspiel-Vertrag aus dem Rennen. Als Alternative gäbe es auch noch tm 3.

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