Sport : Typisch bayerisch

Time of Change demonstriert auf der Trabrennbahn Mariendorf im Charlie-Mills-Memorial seine Stärke

Heiko Lingk

Berlin. Den Mariendorfer Winner-Circle hatte Gerd Biendl ohnehin in angenehmer Erinnerung. Schließlich hatte der Münchner diesen Platz, an dem traditionell alle Siegerehrungen durchgeführt werden, bei der Derbywoche 2002 als großer Triumphator verlassen. Mit dem Außenseiter Lets Go hatte er da im wichtigsten deutschen Trabrennen allen Favoriten ein Schnippchen geschlagen. Als gestern vor 16 000 Zuschauern kurz nach dem Zieleinlauf im Charlie-Mills-Memorial die Siegerehrung in diesem Winner-Circle begann, war es wieder Gerd Biendl, der im Mittelpunkt des Publikumsinteresses stand.

Nur fiel der Erfolg in dem mit 27 000 Euro dotierten Klassiker diesmal weit weniger spektakulär aus. Mit einem Sieg seines sechsjährigen Wallachs Time of Change war durchaus zu rechnen, obwohl unlängst ein Ausflug des Bayern-Gespanns in die Niederlande mit einem neunten Platz eher erfolglos verlaufen war. Auch der Auftritt danach im heimischen Pfaffenhofen verlief mit Rang drei nicht optimal. „Doch da hat Time of Change nicht sein wahres Können gezeigt“, sagt Gerd Biendl. „Denn bei diesen Rennen, die aus den Bändern gestartet wurden, musste der Braune aufgrund seiner hohen Gewinnsumme mit Zulage starten.“ Eine Regelung, die das Wetten an den Totokassen für die Pferdefans interessanter machen soll: Pferde, die aufgrund ihres Könnens und ihrer Schnelligkeit schon viele Prämien ertrabt haben, müssen ein Starthandicap von 25 oder 50 Metern gegenüber den Konkurrenten in Kauf nehmen.

In Mariendorf heißt es indes: Gleiches Recht für alle. Sämtliche 16 Teilnehmer gingen über die volle 1900-m-Distanz. Und da demonstrierte Time of Change bereits im Vorlauf seine Stärke. Früh in Front gezogen, setzte sich der Wallach auf dem letzten Kilometer von den Gegnern ab. Sechs Längen Vorsprung lagen schließlich zwischen ihm und dem elfjährigen Fuchs Hero Pit, der mit dem neunmaligen Berliner Champion Michael Hönemann erstaunlich gut mithielt.

Spannender war die Entscheidung im zweiten Qualifikationsrennen: Der Favorit Springfield mit seinem Hamburger Fahrer Christian Heitmann deutete bereits eingangs der Zielgerade an, das sein gefürchteter Speed dieses Mal nicht ausreichen würde. Mit dem letzten Schritt zog Saraccino (Hans-Joachim Tippke) knapp an dem zweiten Pferd aus dem Stall von Gerd Biendl, der siebenjährigen Stute Celebrate Light, vorbei. Es war für Biendl keine schwere Entscheidung mehr, welches seiner beiden qualifizierten Pferde er für den Endlauf wählen sollte. „Schon im Vorfeld habe ich fest an Time of Change geglaubt.“ Celebrate Light wurde Thomas Panschow anvertraut. Der preschte vom Startplatz eins aus sofort in Front und ließ dann seinen Chef Biendl nach 600 Metern kampflos vorbeiziehen. Von der Spitze aus kontrollierten beide Tempo und Gegner und hielten Saraccino mit Hans-Joachim Tippke in Schach. Mit zweieinhalb Längen Vorsprung siegte Time of Change vor Saraccino und dem Stallgefährten Celebrate Light. Dahinter verkaufte sich Michael Hönemann mit Hero Pit als Vierter prächtig.

Bei 1:14,7 Minuten blieb die Stoppuhr bei Gerd Biendls Sieg stehen, eine hervorragende Zeit. 392 000 Euro waren durch die Totokassen geflossen – das stellte auch den Veranstalter trotz eines leichten Rückgangs (im Vorjahr waren es 409 000 Euro) zufrieden. Gerd Biendl hatte derweil aber schon andere Sorgen. Ihn plagte angesichts der schwülwarmen Temperaturen der Durst. Der Charlie- Mills-Sieger sagte typisch bayerisch: „Da hätte ich im Winner Circle doch eigentlich eine Zwei-Liter-Maß erwartet, gerade weil das heute der große Schultheiss-Renntag war.“

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