Sport : Typischer Podolski und untypischer Özil

Sie befolgten das erste Kahn’sche Gesetz: Die deutschen Nationalspieler in der Einzelkritik.

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Alles gut im Blick. Lars Bender erzielte das entscheidende Tor zum 2:1 und rundete so seinen soliden Auftritt ab. Foto: dpa
Alles gut im Blick. Lars Bender erzielte das entscheidende Tor zum 2:1 und rundete so seinen soliden Auftritt ab. Foto: dpaFoto: dpa

Manuel Neuer:

Ein Spiel, wie es Torhüter lieben. Gleich der erste Ball, der auf sein Tor kommt, landet im Netz. Neuer trug daran keine Schuld. War sonst wenig gefordert, konnte aber mit einem Ausflug bis fast an die Mittellinie beweisen, dass er weiterhin zu Recht als moderner Torhüter geführt wird und er das Geschehen jederzeit mit voller Aufmerksamkeit verfolgt.

Lars Bender: Dreifaches Debüt für den Leverkusener: Erstes Mal in der Startelf, erstes Länderspieltor – und zum ersten Mal rechter Außenverteidiger. Dafür eine solide Leistung, auch wenn er vor dem 1:1 das entscheidende Kopfballduell gegen Nicklas Bendtner verlor. Machte diesen Fehler mit seinem Tor zum 2:1 mehr als wieder gut – weil er seiner Mannschaft und den deutschen Fans eine quälende Schlussphase ersparte.

Mats Hummels: Trägt die heilige Nummer 5 von Franz Beckenbauer, und steht dem Kaiser an Erhabenheit auf dem Platz kaum nach. Gewinnt Zweikämpfe sogar mit der Brust. Hummels ist sich aber auch für den klassischen Ausputzer nicht zu schade. Erkannte nach dem 1:1, dass es nicht die schlechteste Idee wäre, wenn er als Kopfballmonster sich fortan bei dänischen Standards um Bendtner kümmerte.

Holger Badstuber: Ein ungemütliches Spiel für einen Innenverteidiger, wenn der Gegner eher gebremst stürmt und die eigenen Gedanken leicht ins Unendliche schweifen können. Badstuber widerstand dieser Versuchung weitgehend. Nur einmal ließ er Bendtner außer Acht. Zum Glück für Badstuber und die Deutschen bekam der Stürmer der Dänen den Ball nicht richtig unter Kontrolle.

Philipp Lahm: Der Münchner hat wieder zu sich selbst gefunden. Die personifizierte Unaufgeregtheit. Weigerte sich hartnäckig, Fehler zu machen, stand in der Defensive immer richtig – als hätten ihm die Dänen den Plan mit ihren Pass- und Laufwegen vorher per Mail geschickt. Unterstützte Lukas Podolski diesmal entschlossen in der Offensive.

Bastian Schweinsteiger: Versuchte sich ein paar Mal an der Imitation seiner Pässe auf Mario Gomez aus dem Holland-Spiel. Gelang ihm aber nicht einmal ansatzweise. Nachdem Schweinsteiger anfangs wie ein Zehner aufgetreten war, beschränkte er sich nach der Pause auf die Defensive. Eine gute Idee.

Sami Khedira: Bemühte sich um Präsenz, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Hatte einige gute Aktionen im Spiel nach vorne, streute aber auch immer wieder Fehler ein. Dafür leitete er mit seinem Pass auf Özil den Konter zum 2:1 ein.

Thomas Müller: Vergab nach fünf Minuten die Chance zum 1:0 – und machte getreu dem ersten Kahn’schen Gesetz weiter, immer weiter. Belohnte sich für seinen Eifer mit der Vorarbeit zum 1:0.

Mesut Özil: Hat es noch nicht geschafft, die große Linie des deutschen Spiels zu bestimmen. Manchmal gelingt ihm immerhin die kleine Form, mit dem er dem Spiel eine neue Richtung geben kann – so wie mit seiner Vorarbeit zum 2:1, auch wenn der Pass eigentlich für Miroslav Klose gedacht war. Trotzdem ein eher unscheinbarer Auftritt. Ein Blick in sein Gesicht verriet, dass Özil das nicht grundsätzlich anders gesehen hat.

Lukas Podolski: Man hätte wetten können, dass Podolski an diesem für ihn so bedeutsamen Abend treffen würde. Der Noch-Kölner ist ein echter Gefühlsspieler, und sein Gefühl kann gestern nur ein positives gewesen sein. Bestritt sein 100. Länderspiel – und erzielte sein 44. Tor. Fand zum ersten Mal in diesem Turnier die richtige Ausgewogenheit zwischen defensiver Disziplin und offensiver Lust.

Mario Gomez: Nachdem er gemerkt hat, wie einfach Toreschießen auch in der Nationalelf ist, versuchte er sich gestern Abend auch einmal an den komplizierten Dingen. Wagte einmal ein Dribbling gegen zwei Dänen, kam an beiden vorbei – und blieb dann mit dem Ball an seiner rechten Wade hängen. Insgesamt ein eher glückloser Auftritt.

André Schürrle: Kam nach etwas mehr als einer Stunde für Podolski und sollte dem erlahmenden Offensivspiel der Deutschen neuen Schwung geben. Wäre ihm bei seinem EM-Debüt drei Minuten nach seiner Einwechslung fast perfekt gelungen, doch Schürrle scheiterte an Torhüter Andersen.

Miroslav Klose: Ersetzte Gomez, sollte den Ball in der Offensive behaupten und hätte beinahe das erlösende 2:1 erzielt – wenn Özils Pass die Mindestanforderungen erfüllt hätte, die man an einen Pass von Mesut Özil stellen darf.

Toni Kroos: Hat in der vorigen Woche seine Unzufriedenheit über die Rolle als Reservist zu Protokoll gegeben. Durfte trotzdem nur zehn Minuten mitmachen.Stefan Hermanns

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