Sport : Tyson geht zum letzten Mal k.o.

Hartmut Scherzer

Frankfurt/Washington - Muhammad Ali hatte vor dem Kampf Mike Tyson in dessen Kabine im MCI Center von Washington besucht und ihm Glück gewünscht. Ali erlebte Tysons trauriges Ende unter den 15 400 Zuschauern hautnah. Als Ali vor 25 Jahren nach einem gescheiterten Comeback mit 38 Jahren abtrat, war es auch ein trauriger Abgang – aber einer voller Würde. Das Publikum zollte ihm Hochachtung. Seine Größe bleibt unvergessen.

Der 39-jährige Mike Tyson aber wurde mit Schimpf und Schande verabschiedet, nachdem er zur siebten Runde gegen den Iren Kevin McBride wegen totaler Erschöpfung nicht mehr antrat. „Das war es“, sagte Tyson. Drei K.-o.-Niederlagen in den letzten vier Kämpfen eines ausgelaugten, kraftlosen Fighters – deutlichere Zeichen für das Ende der Karriere gibt es nicht. Tyson ist leer und verbraucht in Kopf und Körper. Bei seiner chaotischen Vita kein Wunder.

Als wäre jeder neue Trainer ein neuer Heilsbringer, hatte sich Tyson dem Trainingsdiktat seines neuen Trainers Fenech noch einmal willig und fleißig unterworfen. Doch dieser Fenech war es dann, der nach der sechsten Runde seinen nur noch hilflosen und lethargischen Schützling auf dem Stuhl hocken ließ und den Kampf aufgab. Kein Protest des Boxers.

Der stattliche Muskelmann war fix und fertig. Er wirkte wie ein Ferrari ohne Motor. Nicht ein Schlag, sondern ein Schubser ließ den total entkräfteten Ex-Champion zum Ende der sechsten Runde auf den Hosen- und Ringboden plumpsen. Vor lauter Verzweiflung hatte Tyson in seiner allerletzten Runde im Ring mit einem absichtlichen Kopfstoß dem Iren eine Platzwunde im Gesicht zugefügt. In einer ähnlich aussichtslosen Lage hatte Tyson einst noch Evander Holyfield ein Stück vom Ohr abgebissen.

Nach zwanzig Jahren im Ring mit 50 Siegen und nunmehr sechs vorzeitigen Niederlagen; nach zwanzig Jahren eines exzessiv geführten, unkontrollierten Lebens, unterbrochen von Haft und von Sperren; nach zwanzig Jahren voller Depressionen, Verschwendung, Schulden, Gewalt und Drogen steht Michael Gerard Tyson vor den Trümmern seiner Karriere.

siehe auch Meinungsseite

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