U-20-Weltmeisterschaft : Sommer, Sonne, Frauenfußball

Die WM der Juniorinnen lockt erstaunlich viele Zuschauer in die Stadien. Die deutschen Spielerinnen sind begeistert und eilen von Sieg zu Sieg.

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Zum Feiern. Die deutschen Spielerinnen sorgen für gute Laune auf den Rängen.
Zum Feiern. Die deutschen Spielerinnen sorgen für gute Laune auf den Rängen.Foto: dpa

Alexandra Popp wirkt nach außen hin ziemlich cool. Was sich aber derzeit in den Stadien rund um die U-20-Weltmeisterschaft der Frauen abspielt, sorgt auch bei der Angreiferin der deutschen Mannschaft für ein Gänsehaut-Feeling. „Es ist unglaublich, wenn wir beim Einlaufen die vollen Stadien erleben“, sagt die 19-Jährige. 26 273 Zuschauer kamen vor zwei Tagen in die Augsburger Arena, um Alexandra Popp und die deutsche U-20-Auswahl beim Spiel gegen Frankreich zu unterstützen – und das, obwohl die Anstoßzeit (11.30 Uhr) zur Mittagszeit eher suboptimal schien.

Die Fans sollten ihr Kommen nicht bereuen. Sie sahen, wie Alexandra Popp beim 4:1-Erfolg drei Treffer erzielte und mit der deutschen Mannschaft weiterhin von Sieg zu Sieg eilt. Nun geht es am Sonnabend in Bochum gegen Nordkorea um den Einzug ins Halbfinale – wahrscheinlich wieder vor ausverkauftem Haus. „Für uns gehen gerade die kühnsten Träume in Erfüllung“, sagt Ulrich Wolter. Der 36-Jährige ist zuständig für die organisatorischen Abläufe bei dieser U-20-WM und bei der Frauen-WM 2011. Selbst für Wolter kommt der rege Zuschauerzuspruch bei dieser Junioren-WM etwas überraschend: „Eigentlich sollte die WM nur ein Appetitanreger fürs nächste Jahr sein.“ Doch inzwischen hat das Turnier mit den 18- bis 19-jährigen Fußballerinnen aus Neuseeland und Nigeria, Kolumbien und Costa Rica zumindest regional betrachtet – in den Spielorten in Bielefeld, Bochum, Augsburg und Dresden – eine weltmeisterliche Begeisterung entfacht. „Wir nehmen ein bisschen von der Euphoriewelle aus Südafrika mit“, sagt Wolter.

Das Erreichen einer Gesamtzahl von 350 000 Zuschauern wird mittlerweile realistisch, weil nicht nur die deutschen Auftritte das Publikum anziehen – selbst ein Gruppenspiel wie USA gegen die Schweiz lockte vergangenen Samstag 17 234 Männer und Frauen, Jungs und Mädchen ins schmucke Dresdner Stadion. In den vier Städten hat sich schnell herumgesprochen, dass diese Art Mini-WM in diesem Hitzesommer ideal für einen Familienausflug ist. Der Stadionbesuch ist nicht teuer (2,50 Euro der Stehplatz, fünf bis 20 Euro der Sitzplatz), und dafür gibt es viele schattige Plätze und reichlich Unterhaltung. Hinzu kommt, dass die Spiele als Doppelevent ausgetragen werden. Die Zuschauer zahlen einmal Eintritt und können sich zwei aufeinanderfolgende Spiele ansehen. Drei Schulwandertage (in Bochum, Bielefeld und Augsburg) kamen noch dazu.

Pressesprecher Jens Grittner glaubt, dass „eine richtige Frauenfußball-Kultur in Deutschland entstanden ist“. Das Organisationskomitee bedauert mittlerweile, dass die Partien nur im Nischenprogramm bei Eurosport zu sehen sind. Doch die jungen Frauen vergrößern ihre männliche Fangemeinde rasant. Grittner sagt: „Sogar Rudi Assauer hat sich die Spiele angeschaut und kennt die Namen unserer U 20.“ Den von Alexandra Popp muss man sich auch merken – schon für den nächsten Sommer, wenn die Männer den Frauen das WM-Feld ganz überlassen.

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