U-20-WM : Besiegt und doch gewonnen

Im Viertelfinale der Weltmeisterschaft kam das Aus gegen Brasilien. Die deutsche U 20 hat sich dennoch viel Respekt erspielt.

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Mit leeren Händen, aber nicht unzufrieden. Hrubesch ist stolz auf sein Team. -Foto: dpa

Kairo - Horst Hrubesch besitzt im Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen ausgezeichneten Ruf. Innerhalb eines Jahres hat er als Trainer die U 19 und die U 21 zum Europameister gemacht, schon das hat ihn in eine Position der Stärke gebracht. Aber was Hrubesch sich am Samstagabend erlaubte, geht eigentlich gar nicht. Streng genommen machte der leitende Angestellte des DFB sich verbandsschädigenden Verhaltens schuldig: Er stellte sich offen gegen Sportdirektor Matthias Sammer, der mit aller Macht daran arbeitet, dem deutschen Nachwuchs das Siegergen zu implantieren – weil ihm Titel und Erfolge alles sind. Und was machte Horst Hrubesch, nachdem seine U-20-Nationalmannschaft im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen Brasilien ausgeschieden war? Stellt sich hin und sagt: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“

Zu ernsten Verwerfungen mit Sammer wird diese Aussage trotzdem nicht führen – denn Hrubesch hatte Recht. Erfolge und Titel müssen nicht unbedingt das Gleiche sein. Die deutsche U 20 hat in Ägypten ohne Zweifel ein erfolgreiches Turnier gespielt, das Viertelfinale gegen den großen Favoriten Brasilien inbegriffen. „Taktisch war das eine Meisterleistung meines Teams“, sagte Trainer Hrubesch. Bis zwei Minuten vor Schluss führten die Deutschen durch ein Kopfballtor des Schalkers Lewis Holtby, dann rettete Maicon die Südamerikaner mit seinem Tor zum 1:1 in die Verlängerung, in der er gleich nach dem Anpfiff erneut traf. „Fußball ist grausam“, sagte Stürmer Richard Sukuta-Pasu vom Bundesligisten Bayer Leverkusen. „Wir haben alles gegeben, was wir hatten, und sind trotzdem der Verlierer.“ Nach dem Abpfiff flossen bei den deutschen Spielern noch auf dem Rasen die Tränen.

Dabei hat der deutsche Nachwuchs wesentlich mehr erreicht, als ihm vor der Weltmeisterschaft zugetraut worden war. Weil es für das Turnier keine Abstellungspflicht gab, musste Hrubesch auf insgesamt 25 Spieler verzichten. Dennoch belegte sein B-Kader in der Vorrundengruppe Platz eins, im Achtelfinale dann schalteten die Deutschen Nigeria nach zweimaligem Rückstand und in Unterzahl mit 3:2 aus. „Meine Jungs haben als Gruppe wunderbar zusammengearbeitet, sich in dieses Turnier hinein gebissen und eine tolle WM gespielt“, sagte Hrubesch, der schon bei der U-21-Europameisterschaft im Sommer Ähnliches vollbracht hatte. Auch da konnte die Mannschaft ihre individuellen Defizite als Mannschaft kompensieren.

Die U 20 aber hat selbst in ihrem Rumpfkader starke Individualisten gehabt, Björn Kopplin (Bayern München) zum Beispiel, der im Achtelfinale zwei Tore zum Weiterkommen erzielte, Sukuta-Pasu, Holtby oder auch Kapitän Florian Jungwirth (1860 München). „Ich sollte eigentlich keinen herausheben, weil die Mannschaft insgesamt gut gearbeitet hat“, sagte Hrubesch. „Ich habe größten Respekt vor dieser Mannschaft.“ Wer Hrubesch kennt, weiß: Dieses Lob ist fast so viel wert wie ein Pokal. Tsp

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