U 21 : Die deutsche Elf erlebt das Mittsommermärchen

Die U-21-Nationalmannschaft krönt ihr letztes Spiel mit dem EM-Titel und blickt in eine gute Zukunft.

Gregor Derichs
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Darauf einen Eimer Wasser. Die Betreuer des U-21-Nationalteams begießen den Titel – und Trainer Horst Hrubesch (3. v. l.)....

Als sich die ausgehungerte Mannschaft in der Nacht beim Bankett im Restaurant Hipp auf die große Paellapfanne stürzte, war es ihre letzte gemeinsame Aktion. „Theo rück die Scheine raus“, sangen die deutschen Europameister, als DFB-Präsident Theo Zwanziger im Spiegelsaal der feinen Lokalität am Dramatischen Theater in Malmö zu seiner Dankesrede ansetzte. „Die Kohle wird es geben“, sagte Zwanziger, „der DFB ist noch flüssig.“ 12 000 Euro erhält jeder Spieler, der beim grandiosen 4:0 in Malmö gegen England dabei war. Damit hat eine deutsche U-21-Nationalmannschaft erstmals in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen EM-Titel gewonnen. Das Lied war der Beginn einer langen Nacht, in der das Team zerfiel. Es starb in der Nacht seines größten Erfolges.

Mit dem Finalsieg im letzten Spiel in dieser Besetzung hat die deutsche U-21-Nationalmannschaft in Südschweden ihr eigenes Mittsommermärchen geschaffen. „Wir haben uns das Beste für den Schluss aufgehoben“, sagte Benedikt Höwedes. „Es ist ein Traum wahr geworden. Jetzt machen wir eine Nacht lang Party“, sagte Andreas Beck. Arm in Arm mit dem Schalker Höwedes verließ der Hoffenheimer das Stadion. „Heute machen wir alles zusammen, heute gibt es uns nur im Doppelpack“, sagte Höwedes, im rechten Arm seinen Freund, unter dem linken einen Fußball. Zwölf Stunden später aber war schon wieder Schluss mit der Gemeinsamkeit. Die ersten Spieler flogen ohne Schlaf um 8.40 Uhr von Kopenhagen nach Düsseldorf, es folgten die Abflüge nach Frankfurt, Berlin, Stuttgart, um 14.30 Uhr reisten die letzten nach München.

Zuvor hatte der DFB-Führungszirkel Horst Hrubeschs Spieler begutachtet. „Ich glaube, Joachim Löw geht guten Zeiten entgegen“, sagte der U-21-Trainer. Ab dem 25. September wird er das U-20-Team bei der WM in Ägypten betreuen. „Die WM 2010 kommt für einige noch zu früh, ihre Ausbildung muss noch klarer werden“, sagte Hrubesch. Die besten Aussichten dürften die fünf Spieler haben, die schon im A-Team gespielt haben. Abgesehen vom Leverkusener Gonzalo Castro dürften Manuel Neuer, Andreas Beck, Mesut Özil und Marko Marin die besten Chancen haben, in den Kader der 23 Spieler für die WM in Südafrika aufzurücken. Falls sich die Mannschaft für die WM qualifiziert. „Wenn Mesut Özil sein Potenzial ausschöpft, dann ist er ganz einfach genial“, sagte Joachim Löw, „er hat etwas, das nur wenige Spieler beherrschen, er ist effizient und zwar bei allen Aktionen.“

Torhüter Manuel Neuers Qualitäten sind allgemein bekannt, Andreas Beck zählt bei Löw bereits zum Stammteam. Und bei Marko Marin muss die neue Saison abgewartet werden, ob er sich in Bremen durchsetzen kann. Dem Stuttgarter Sami Khedira und dem Schalker Benedikt Höwedes hat Löw Einladungen zum A-Team in Aussicht gestellt. Alle anderen Jung-Europameister müssen wohl warten. Einige, die noch andere Staatsbürgerschaften besitzen, werden wohl Ziel von Abwerbeversuchen anderer Verbände. Nicht alle der ältesten Mitglieder der „goldenen Generation“, wie der DFB seine Europameister-Riege mit der U 17, U 19 und nun auch U 21 nennt, haben ihre Treue erklärt. Sebastian Boenisch, Dennis Aogo sowie die aus Berlin stammenden Jerome Boateng, Änis Ben-Hatira, Ashkan Dejagah und Chinedu Ede könnten abtrünnig werden, wenn sie beim DFB keine Perspektive sehen.

Vier Schalker und fünf Berliner bildeten den Kern des Final-Teams, das noch Stuttgarter Einschlag (Khedira/Beck) und eine Münchner Prägung besitzt. Nach der erfolgreichen Hereinnahme von Fabian Johnson (1860 München) im Halbfinale lag Hrubesch mit der Integration der ehemaligen Bayern-Spieler Mats Hummels (Dortmund) und Sandro Wagner (Duisburg) richtig, Hummels glänzte im defensiven Mittelfeld, Wagner schoss zwei Tore, die übrigen Treffer erzielten Özil und Castro. „Dieses Finale wird in meinen Fußballerleben einen besonderen Platz einnehmen, egal was noch passiert“, sagte Hummels. Am meisten aber wurde Hrubesch gefeiert. Die Spieler riefen immer wieder „Hotte, Hotte“ und herzten den 58-Jährigen. Fast jeder Spieler bezeichnete den Trainer, der das Team im November übernommen hatte, als den entscheidenden Mann. Dennoch wird er von Rainer Adrion abgelöst. Ihm werden aus dem aktuellen Kader acht Spieler zur Verfügung stehen. Hummels nannte schon das nächste Ziel – die Olympischen Spiele 2012.

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